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Kwaadmechelen (Ham), Limburg

Der Schatz und die spanische Ziege

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In den Wäldern von Kwaadmechelen schwebt noch immer die Geschichte von Jan Hendrickx und seiner merkwürdigen Begegnung. Es begann als ein gewöhnlicher Abend mit Pfannkuchen, aber es endete mit einem Geheimnis, das zu groß war, um es auszugraben.

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1 Die Nacht der Pfannkuchen

Jan Hendrickx war nicht der Typ Mann, der für Gold sterben würde. Er war ein Holzfäller, ein ehrlicher Arbeiter, der mit drei anderen Männern im Wald arbeitete. An jenem Abend – niemand erinnert sich mehr genau welcher Tag es war – war Jan an der Reihe zu kochen für das Lager.

Die anderen Holzfäller hatten ihm scherzhaft gesagt: ’Jan, mach uns etwas Schönes!’ Und Jan, der gerne Eindruck machte, beschloss, Pfannkuchen zu backen. Er machte ein großes Feuer an, größer als normal, denn er wollte, dass sie goldgelb und gar wären. Das Feuer flackerte hoch, und der Wald – der wie ein schlafender Riese um sie herum lag – wurde rot und gelb beleuchtet.

Während er den ersten Pfannkuchen buk, hörte er etwas. Eine Stimme. ’Ich falle!’ schrie die Stimme, düster und schmerzlich. Jan, nicht sehr verngstigt – denn er war ein praktischer Mann – antwortete, ohne auch nur seinen Blick von der Pfanne zu heben: ’Fall dann, aber nicht in meinen Pfannkuchen!’

2 Der Fall des Geistes

Als Jan hinuntersah, lag ein Arm auf dem Boden. Nicht ein menschlicher Arm – etwas Gräueres, etwas, das aussah, als ob es schon ewig tot war. Jans Herz hammerte, aber er fegte den Arm vorsichtig beiseite, damit dieser nicht in sein Essen fiel. Er wandte sich wieder seinen Pfannkuchen zu.

’Ich falle!’ sagte die Stimme wieder. ’Fall dann, aber nicht in meinen Pfannkuchen!’ sagte Jan wieder, jetzt etwas lauter. Und wieder fiel etwas: ein Schädel, grausam weiß, fiel neben die Pfanne. Jan fegte auch dies beiseite. Wieder ’Ich falle!’ – diesmal ein Brustkorb. Und abermals Jan: ’Fall dann!’

Dies ging immer wieder weiter. Köperteil um Köperteil fiel um ihn herum. Ein Bein. Ein Fuß. Eine Hand. Jan, mit einem Stoäszismus, der nur durch Hunger und Arbeitsraum erklärt werden kann, buk weiter seine Pfannkuchen und fegte jedes Köperteil vorsichtig beiseite. Die anderen um das Feuer saßen still und wagten nicht zu sprechen.

3 Die Erscheinung

Als Jan fast mit seinem letzten Pfannkuchen fertig war, spürte er etwas Kaltes hinter sich. Er drehte sich um und dort stand es – eine hohe, graue Figur, zusammengesetzt aus all den Körperteilen, die er beiseite gefegt hatte. Das Gesicht war gesichtslos, aber Jan spürte die Augen auf sich gerichtet.

Das Wesen, denn was sonst konnte es sein?, berührte vorsichtig seine Schulter. Jan erstarrte, aber der Geist – denn es war sicher ein Geist – machte keine aggressive Bewegung. Stattdessen nahm er ihn beim Hemd und führte ihn weg vom Lager, durch die Bäume, bis sie einen alten Keller erreichten, den Jan noch nie zuvor gesehen hatte.

’Höre gut zu,’ sprach der Geist mit einer Stimme, die wie Wind durch alte Gräber klang. ’Es ist ein Schatz hier begraben. Ein Schatz aus Gold und Silber, begraben als noch meine Vorgänger lebten. Aber er kann nicht allein ausgegraben werden. Er muss mit einer spanischen Ziege ausgegraben werden. Ohne eine spanische Ziege wirst du nur Erde graben.’

4 Das Rätsel

Jan kehrte zum Lager zurück, und am nächsten Tag gingen er und die anderen Männer zurück nach Kwaadmechelen. Die anderen Männer fragten ihn, warum er so still war. ’Hast du Alb träume gehabt?’ sagten sie. ’Nein,’ antwortete Jan, ’ich hatte keine Träume. Ich hatte Tatsachen.’

Jahre später – Jan war nun ein alter Mann, und die Geschichten sagen, dass er schon lange tot war – fragten die Dörfler ihn: ’Jan, warum hast du diesen Schatz nicht ausgegraben? Es hätte dich reich gemacht!’

Jan antwortete ruhig: ’Weil ich keine spanische Ziege habe. Kannst du mir eine spanische Ziege bringen?’ Und die Dörfler sagten nein – niemand in Kwaadmechelen hatte je eine spanische Ziege gesehen. Sie hatten niederländische Ziegen, deutsche Ziegen, aber keine spanischen Ziegen.

Und so blieb der Schatz begraben. Jan starb, und mit ihm verschwand das Wissen um den genauen Ort. Oder vielleicht, sagen die Geschichten, war Jan nicht der einzige, der das Rätsel gehört hatte. Vielleicht hatte jemand anders, irgendwo, eine spanische Ziege gefunden. Und vielleicht graben sie noch immer, in Stille, an Orten, wo die Bäume das Geheimnis der Erde bewahren.

Quelle: VVB (Verhalenbank ID:9986), mündlich überliefert (Kwaadmechelen)
Wusstest du? Kwaadmechelen ist ein Weiler von Ham in Limburg, tief im Wald. Viele limburgische Flüchtlinge und Medizinmänner sagten, dass spanische Ziegen Magie besaßen, die nur bei Vollmond wirken konnte.
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