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Hasselt, Limburg

Das Spookachtige Kind von Stevoort

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Am Rande von Stevoort, an der Grenze zwischen Ackerland und Wildnis, stand ein Eichenbäumchen, das bereits Jahrhunderte alt war. Die Wurzeln liefen tief in den Damm, und ringsum wuchsen die Gewohnheiten vorbei. Das Kind, das dort erschien, erschien nur für Augen, die es sehen konnten. Andere würden vorbeigehen und niemals wissen, was sie verpasst hatten.

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1 Das Kind bei der Eiche

Ein Baumzüchter aus Alken wanderte regelmäßig über die Felder nach Stevoort. Es war seine Arbeit, sein tägliches Brot — von Ort zu Ort, von Acker zu Acker, immer gehend, immer werkend. Aber eines Nachmittags, als er einen Damm vorbeilief, wo ein dicker Eichenbaum wuchs, bemerkte er etwas Seltsames. Sein Sohn, ein siebenjähriger Junge, der kleine Philtjens, blieb stehen und starrte auf den Baum.

’Was siehst du da?’ fragte der Vater. Der Junge flüsterte nicht, sondern sprach deutlich: ’Ein Kind. Ein verfluchtes Kind. Es steht dort vor dieser Eiche.’ Der Vater blickte — blickte gut, mit all der Aufmerksamkeit, die ein Vater aufbringen kann — aber sah nichts. Keinen Schatten, keine Gestalt, keine Bewegung. Nur der Baum, der Damm und der Wind, der durch die Äste rauschte.

Aber der Junge blieb standhaft. Das verfluchte Kind stand dort, sagte er, genau so deutlich wie der Baum. Es trug etwas — ein Buch, schien es, etwas, das wie ein Missalbuche aussah, ein feierliches Ding mit Seiten und Umschlag. Der Vater kratzte sich am Kopf. War es Einbildung? Kindliches Phantom? Oder war wirklich etwas im Gange, das nur Kinderaugen sehen konnten?

2 Das neugierige Dorf

Die Nachricht verbreitet sich wie Rauch von einem Feuer. Das verfluchte Kind bei der Eiche — ein Kind, das nur vom Jungen Philtjens gesehen werden konnte. Die neugierigen Dörfler kamen, einer nach dem anderen und dann in Gruppen. Sie wollten sehen, was es war, dieser Spuk, der ihre Nachbarschaft in Aufruhr versetzte. Freunde von Freunden, Nachbarn von Nachbarn, alle kamen, um die dicke Eiche zu betrauern.

Aber was sie sahen, war nur ein Baum. Nur Wind und Licht. Nur die gewöhnliche Landschaft, die schon tausendmal die gleiche Form gehabt hatte. Der Vater von Philtjens kam auch schließlich. Er war ein Mann mit gesundem Verstand, jemand, der an kein Marchen glaubte. Aber die andauernden Worte seines Sohnes hatten ihn unruhig gemacht. Er nahm seinen Sohn mit, zurück zur Eiche, zurück an den Ort, wo sich der Spuk zeigte.

’Dort,’ sagte Philtjens und zeigte. ’Es steht jetzt vor dir.’ Der Vater spannte seine Augen an. Nichts. Aber die Gewïssheit des Kindes war nicht zu leugnen. ’Nimm das Buch an,’ sagte der Vater dann. ’Wenn du es zeigen kannst, gebe ich dir eine Uhr. Eine echte Uhr, mit Zäigern und Laut.’ Ein Versprechen für ein Kind — aber der Junge schüttelte seinen Kopf. ’Ich kann es nicht fassen,’ flüsterte er. ’Ich bin verstört.’

3 Die Warnung und der Sturm

Der Vater, voller Verbesserung und Misstrauen, starrte auf das leere Feld. ’Dann versuche ich es,’ sagte er, und er streckte seinen Arm zu dem Ort aus, wo sein Sohn sagte, dass der Spuk stand. Aber als er seine Hand vorbeisträßte, fühlte er — nichts. Kein Widerstand, kein Staub, keine Kälte eines Geistes. ’Er zieht seine Hand zurück,’ sagte Philtjens, voll Angst. ’Beruehre es nicht! Er will es nicht!’

Der Vater, nun entschlossen, versuchte plötzlich zuzuschlagen, schnell genug, um den Spuk zu ergreifen. Aber es gab nichts zu ergreifen. Es verschwand — oder war es nie wirklich da gewesen? ’Weg,’ flüsterte der Junge. ’Es ist weg.’

Acht Tage später, während eines heftigen Sturms über den Feldern von Stevoort, lief der Vater wieder an derselben Stelle vorbei. Der Himmel war dunkel, der Wind heulte durch die Äste. Und dann sah er etwas — einen Hund, scheinbar ohne Beine, gleitend über den nassen Boden wie ein Spuk seiner selbst. Der Vater griff seinen Spazierstock und schlug zu, aber der Hund floh, schneller als Füße normalerweise erlauben. Dann, auf dem Feld, wo der Hafer wuchs, ein Rauschen — als würde sich etwas durch den Acker selbst fortbewegen, ohne sichtbare Form. Nichts kam daraus hervor. Kein Tier, kein Vogel, kein Mensch.

Der Vater wußte, was es bedeutete. Die Strafe war gekommen für seinen Versuch, das spookachtige Kind zu beruehren, für seinen Zweifel und seine Vermessenheit. Die Felder von Stevoort hatten ihm eine Botschaft geschickt: Es gibt Grenzen, die auch Nichtgläubige nicht überschreiten dürfen. Und diese Nacht, im Sturm, hatte er endlich gelernt, sich zu fürchten.

Quelle: Volksverhalenbank ID 3580. Aufgezeichnet 1971 von W. Achten. Ursprünglich aus Alken/Stevoort.
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