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Stavelot, Luik

Der Zaubermönch von Stavelot

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In der Abtei von Stavelot, einem der ältesten und mächtigsten Klöster der Ardennen, lebten die Benediktinermönche ein Leben des Gebets und der Stille. Doch hinter den dicken Mauern des Klosters vollzog sich in den letzten Jahren des sechzehnten Jahrhunderts ein Drama, das die ganze Region erschüttern sollte — die Geschichte von Bruder Jean Delvaux, dem Mönch, der mit dem Teufel getanzt haben soll.

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1 Der Hirte und der Fremde

Jean Delvaux war fünfzehn Jahre alt, als sich sein Leben für immer veränderte. Als Hirte hütete er das Vieh auf den einsamen Weiden der Ardennen, fern von jedem Dorf, umgeben von nichts als Wind und Wolken. An einem Nachmittag erschien ein alter Mann auf dem Pfad — ein Fremder, den Delvaux noch nie gesehen hatte.

Der Mann sprach leise, aber eindringlich. Er versprach dem jungen Hirten Wissen, Macht und Reichtum, unter der Bedingung, dass Delvaux ihm gehorche. Verzaubert von den Worten willigte der Junge ein. Der Fremde schickte ihn auf eine Schule in Trier, wo Delvaux lesen und schreiben lernte — aber auch, so behauptete er später, die dunklen Künste.

Jahre vergingen. Delvaux trat bei den Benediktinern von Stavelot ein und wurde Mönch. Niemand ahnte, was sich hinter seiner frommen Fassade verbarg — bis die Gerüchte begannen.

2 Der Sabbat und die Anschuldigungen

Im Jahr 1592 begannen die ersten Flüstereien. Bruder Delvaux benahm sich seltsam — er murmelte in unbekannten Sprachen, verschwand nachts aus seiner Zelle und kehrte mit Schlamm an seiner Kutte zurück. Als der Prior des Klosters plötzlich starb, zeigten anklagende Finger auf Delvaux.

Unter dem Druck der Verhöre begann Delvaux zu gestehen — oder zu fantasieren, das war nicht mehr zu unterscheiden. Er berichtete von Hexensabbaten, an denen mehr als fünfhundert Menschen teilnahmen, angeführt von Dämonen mit Namen wie Beelzebub, Leviathan und Astaroth. Es wurde getanzt, geschlemmt und gesündigt, so behauptete er, auf verlassenen Heidenfeldern bei Mondlicht.

Am schlimmsten waren die Anschuldigungen. Delvaux nannte über fünfhundert Namen — Dorfbewohner, Händler, Adlige, Mitmönche und sogar Geistliche. Die ganze Region wurde in eine Spirale aus Angst und Misstrauen gerissen. Nachbarn beschuldigten Nachbarn, Familien zerbrachen.

3 Der Prozess und die Hinrichtung

Im Jahr 1596 setzte Ernst von Bayern, Fürstbischof von Lüttich, ein Inquisitionstribunal ein. Monatelang wurden Zeugen vernommen, Geständnisse erzwungen und Beweise gesammelt — oder was in einer Zeit dafür galt, in der die Grenze zwischen Wahrheit und Wahn so dünn war wie der Rauch eines Scheiterhaufens.

Am 2. April 1597 wurde das Urteil gesprochen. Jean Delvaux wurde seines Mönchsstatus und seiner Priesterweihe entkleidet und dem weltlichen Gericht übergeben. Dieses verurteilte ihn als Giftmischer und Hexenmeister. Die Strafe war der Tod.

Ihm wurde eine Gnade gewährt: Er durfte auf dem Klosterfriedhof begraben werden, dem Ort, an dem er einst gehofft hatte, in Frieden zu ruhen. Ob seine Geständnisse Wahrheit enthielten oder das Ergebnis von Folter und Wahnsinn waren, wird niemand je mit Sicherheit wissen. Doch sein Name blieb jahrhundertelang mit der Abtei verbunden — nicht als Mönch, sondern als der Mann, der den Teufel in das heiligste Haus der Ardennen einließ.

Quelle: Archives de l’Abbaye de Stavelot
Wusstest du? Die Abtei Stavelot-Malmedy, 651 von dem Heiligen Remaclus gegründet, bildete das Zentrum eines unabhängigen Fürstentums, das über tausend Jahre bestand, bis die Französische Revolution es 1795 auflöste.
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