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Amel, Luik

Die Streiche des Gilles Pafflard

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Im Dorf Amel, in den Hügeln der Ost-Ardennen, kannte jeder Gilles Pafflard. Nicht weil er fleißig war — im Gegenteil. Gilles war ohne Zweifel der faulste junge Mann im ganzen Dorf. Aber er war auch der cleverste, und das machte ihn gefährlich.

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1 Der faulste Junge von Amel

Gilles Pafflard hasste Arbeit. Nicht jede Art von Arbeit — er war äußerst geschickt im Erfinden von Ausreden, im Ersinnen von Ausflüchten und im Vermeiden jeder Aufgabe, die auch nur die geringste Anstrengung erforderte. Wenn sein Vater ihn bat, den Acker zu pflügen, klagte Gilles über Rückenschmerzen. Wenn seine Mutter ihn Wasser holen schickte, verschwand er stundenlang und kam mit der Geschichte zurück, der Brunnen sei zugefroren — mitten im August.

Eines Abends war das Maß voll. Sein Vater, ein ehrlicher Bauer mit schwielig Schwielen an den Händen und wenig Geduld, schlug mit der Faust auf den Tisch. «Du bist eine Schande für diese Familie, Gilles! Morgen gehst du aus dem Haus. Such dir Arbeit als Knecht oder bettle am Straßenrand — es ist mir egal. Aber unter diesem Dach isst kein Mann, der nicht arbeitet.»

Gilles zog am nächsten Morgen los, ein Bündel über der Schulter und ein Grinsen im Gesicht. Denn er hatte einen Plan.

2 Der Hof von Gertrude

Auf dem Hof von Bauer Mathieu, am Dorfrand, arbeitete Gertrude — ein Mädchen mit dunklen Locken und Augen wie Haselnüsse. Gilles hatte sie seit Monaten bewundert, aber aus der Ferne, denn er hatte keinen Grund, am Hof vorbeizukommen. Bis jetzt.

Er bot sich als Knecht an. Bauer Mathieu musterte ihn skeptisch — Gilles’ Ruf war ihm nicht unbekannt — aber er brauchte dringend Hände. «Gut. Du fängst morgen bei den Kühen an.»

Gilles’ erster Tag war ein Meisterwerk scheinbaren Eifers. Er meldete bei Morgengrauen, die größte Kuh Bertha sehe «nicht gut aus» und er müsse sie den ganzen Tag im Auge behalten. Er ließ sich auf einem Heuballen neben dem Stall nieder, mit Blick auf den Hof, wo Gertrude die Wäsche machte, und schlief den halben Tag mit einem Auge offen.

Als Bauer Mathieu ihn bat, die Kartoffeln zu ernten, erklärte Gilles feierlich, er kenne ein altes Familienrezept, um die Ernte zu verdoppeln — aber dafür müssten die Kartoffeln noch eine Woche in der Erde bleiben. Mathieu, habgierig genug, es zu glauben, stimmte zu. Gilles hatte sich eine Woche Aufschub verschafft.

3 Der cleverste Bräutigam

Gertrude durchschaute Gilles schnell. Sie sah ihn hinter der Scheune einschlafen, während er behauptete, das Werkzeug zu «inspizieren». Sie hörte seine wilden Geschichten über Wölfe, die die Hühner bedrohten — Geschichten, die zufällig immer damit endeten, dass Gilles «Wache halten» musste, an einem gemütlichen Platz im Schatten.

Aber statt wütend zu werden, musste sie lachen. Es war etwas Unwiderstehliches an seiner schamlosen Erfindungsgabe. Und als er eines Abends, an den Stall gelehnt, ein Lied für sie sang, das er angeblich «von einem fahrenden Spielmann» gelernt hatte — das aber verdächtig auf ihn selbst zu passen schien — war es um sie geschehen.

Sie heirateten im Herbst. Bauer Mathieu war erleichtert, seinen schlechtesten Knecht los zu sein, und Gilles’ Vater konnte nicht glauben, dass sein Taugenichts von einem Sohn eine Frau gefunden hatte.

Doch Gilles entdeckte bald, dass die Ehe ein schwierigeres Spiel war als das Knechtdasein. Denn Gertrude kannte all seine Tricks — und hatte selbst doppelt so viele. Aus dem faulen Gilles wurde ein beschäftigter Gilles, und die Leute von Amel lachten noch jahrelang über den Mann, der schlau genug war, die Liebe zu gewinnen, aber nicht schlau genug, um ihr zu entkommen.

Quelle: Légendes et contes d’Ourthe et Amblève (René Henoumont)
Wusstest du? Amel, auf Französisch Amblève genannt, ist eine der neun deutschsprachigen Gemeinden Belgiens, in der seit Jahrhunderten drei Sprachen — Deutsch, Französisch und der wallonische Dialekt — im Alltag nebeneinander gesprochen werden.
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