Die Teufelsbrücke von Saint-Guilhem
Zwischen Aniane und Saint-Guilhem-le-Désert überspannt die älteste Brücke Frankreichs den Hérault: die Pont du Diable, errichtet um das Jahr 1031. Der Teufel selbst, sagt die Legende, half beim Bau — gegen die erste Seele, die die Brücke überqueren würde. Bis der heilige Wilhelm und der heilige Benedikt ihn mit seinem eigenen Vertrag täuschten.
1 Die Brücke, die nicht stehen wollte
Anfang des elften Jahrhunderts beschlossen die Mönche zweier benachbarter Abteien — Aniane und Gellone (Saint-Guilhem) — gemeinsam eine Brücke über den wilden Hérault zu bauen. Die Äbte Wilhelm und Benedikt, beide später heiliggesprochen, wiesen die Stelle an und ließen Maurer ans Werk. Doch jede Nacht wurde die Tagesarbeit von der Hochflut weggespült oder von unbekannten Händen umgestürzt.
Da erschien der Teufel selbst den Mönchen. Er bot an, die Brücke in einer Nacht zu vollenden — gegen die erste Seele, die sie überqueren würde. Die Äbte berieten lange. Ein Menschenleben preiszugeben war undenkbar. Doch was, wenn sie den Teufel selbst betrügen?
2 Der Hund am anderen Ufer
Wilhelm und Benedikt unterzeichneten den Vertrag. Der Teufel hielt sein Wort: in einer Nacht stand die prächtige Steinbrücke fertig. Am nächsten Morgen kamen die Mönche gemeinsam an das eine Ufer. Der Teufel wartete auf der anderen Seite, bereit die erste Seele zu fordern.
Da ließ Wilhelm einen Hund los, den er das ganze Jahr aufgezogen hatte. Das Tier rannte freudig zu seinem Herrn — dem Teufel — auf der anderen Seite. Mit einem gellenden Fluch erkannte der Teufel, dass er betrogen war: ein Hund war keine menschliche Seele, und sein Vertrag sprach nur von «der ersten Seele». Vor Wut tobend sprang er in den Hérault und verschwand in der Tiefe. An der Stelle, wo er versank, bildete sich ein tiefes Loch im Fluss — bis heute heißt jene Stelle das Gouffre Noir.
3 Die Brücke und die Heiligen
Die Pont du Diable blieb stehen, und sie steht noch immer — älteste mittelalterliche Brücke Frankreichs. Drei Kapellen wurden danach auf ihr errichtet, um jede Seele, die hinüberging, zu segnen, damit der Teufel sie nie mehr fordern könne. Zwei dieser Kapellen stehen noch auf der Brücke.
Wilhelm wurde später Stammvater der Abtei von Gellone, die seinen Namen trägt: Saint-Guilhem-le-Désert, eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Benedikt von Aniane blieb in der benachbarten Abtei. Beide wurden heiliggesprochen, nicht nur für ihre Frömmigkeit, sondern auch weil sie den Teufel mit einem Hund betrogen hatten — eine Leistung, die auf Erden nicht leicht übertroffen wurde.
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