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Sneek, Friesland / Zuidwesthoek

Der fremde Eisläufer von Sneek

Tier 0+ - Publiek 5 min Sage
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Snits sagen die Friesen, und sie meinen die Stadt, die sich auf einer sandigen Landzunge zwischen dem Wasser niedergelassen hat. Sneek hat immer vom Wasser gelebt und immer Respekt davor gehabt. Im Sommer liegt die Kolk vor dem Wassertor voller Segel; im Winter lag dieselbe Kolk unter einer Eisdecke, auf die die ganze Stadt hinauslief. Zwei Geschichten, die in Sneek aufgezeichnet wurden, handeln genau davon: davon, was im Wasser wohnt, und von dem Fremden, der auf ebendiesem Wasser alle überholte und verschwand, ehe der Preis vergeben wurde.

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1 Zwarte Griet im Wasser

Sneek entstand im zehnten Jahrhundert auf einer höher gelegenen sandigen Landzunge — Ter Snake — dort, wo der südliche Deich des Hempolders Scherhem den Wasserweg nach Norden kreuzte, in alten Urkunden Magna Fossa genannt. Dieser Wasserweg war nötig geworden, weil die Middelzee verschlickte. 1295 brannte ein Teil der Stadt ab. Ab dem dreizehnten Jahrhundert erhielt Sneek allerlei Stadtrechte, 1456 offiziell festgeschrieben, und damit wurde es eine der friesischen elf Städte.

1492 begann man mit Stadtgraben und Stadtmauer, und in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts wurde die Stadt ganz von einer dicken Steinmauer umschlossen. Anfang des siebzehnten Jahrhunderts war Sneek die einzige vollständig ummauerte Stadt Frieslands; der Innenstadt verdankt dieser Mauer ihren herzförmigen Umriss. Es gab zwei Landtore und fünf Wassertore. Vier davon wurden abgebrochen. Nur das Tor auf der Hoogendsterpijp blieb stehen, 1613 zum Ziertor umgebaut, weil es keine militärische Aufgabe mehr hatte: die Waterpoort, das Wahrzeichen der Stadt.

So viel Wasser in und um eine Stadt bedeutete auch Gefahr, und diese Gefahr bekam einen Namen. Am 1. Juni 1955 wurde in Sneek der Volkskundefragebogen 18 des Meertens Instituut ausgefüllt. Bei der Frage nach dem Teufel steht die Antwort notiert: Kinder werden gewarnt, nicht zu nahe an das Wasser zu gehen, denn im Wasser wohnt der Teufel, in diesem Zusammenhang Zwarte Griet genannt. Auf die Frage, wer Zwarte Griet denn sei, kam nur eine Antwort: wer sonst als der Teufel.

2 Der fremde Schnellfahrer

Dasselbe Wasser verwandelte sich in einem strengen Winter in einen Festplatz. Am 9. November 1965 erzählte Douwe H. Kiestra aus Poppenwier dem Sammler T. Bijlsma eine Sage, die in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts spielt. In Sneek wurde ein Wettrennen auf Schlittschuhen abgehalten. Es kamen Männer, die gewaltig schnell fahren konnten, aber einer von ihnen — niemand kannte ihn — fuhr weit über alle hinaus, und jeder ging davon aus, dass er den Preis gewinnen würde.

Man fuhr in der Unterhose, so war es Brauch. Alle staunten über die Unterhose des Fremden, denn sie war aus dem allerfeinsten Stoff; das musste wohl eine vornehme Herrschaft sein. Doch als die Fahrer um Preis und Prämie an der Linie erscheinen mussten, war der Fremde verschwunden. Er wollte nicht in die Öffentlichkeit. Es war, so hörte man später, der Gouverneur von Friesland, Baron van Sytzama.

So jemanden hat es wirklich gegeben. Maurits Pico Diederik van Sytzama (1789-1848) war Gouverneur von Friesland vom 19. Oktober 1840 bis zu seinem Tod am 15. Juli 1848. Ob er je auf dem Eis von Sneek gestanden hat, steht in keinem Dokument; die Sage braucht das auch nicht. Sicher ist, dass das Schnellfahren in jenem Jahrhundert kein Kinderspiel war. Der Journalist Ron Couwenhoven fand für sein Buch über die friesischen Eisrennen gut 3600 Ergebnisse und Ankündigungen aus dem neunzehnten Jahrhundert, mit insgesamt 79.857 Fahrern und Fahrerinnen am Start und einem nachgewiesenen Preisgeld von 183.389,75 Gulden.

3 Achtundvierzig Fahrer und zwei Pals

Von einem Sneeker Rennen wissen wir alles. Am 25. Januar 1805 erschienen achtundvierzig Fahrer am Start des Wettrennens zu Sneek. Der Preis war ein Paar schöner silberner Schuhschnallen, die Prämie eine goldene Hutnadel, und es gab vier Kampfrichter. Die vollständige Starterliste mit dem Rennverlauf ist in der Sammlung des Fries Museum in Leeuwarden erhalten geblieben: Es ist die älteste bekannte Teilnehmerliste eines Schlittschuhrennens in den Niederlanden.

Unter Nummer dreizehn stand Pals Geerts Bleeksma aus Deersum, ein Zimmermann. Er wurde im ersten Umlauf sogleich von Lambertus Jelles Veltman aus Sneek geschlagen. Im Januar 1809 tat derselbe Pals etwas, wofür er keine Schnelligkeit brauchte: Zusammen mit seinem Freund Pals Andries Visser, einem Schiffer aus Baard, besuchte er an einem einzigen Tag die elf friesischen Städte auf Schlittschuhen. Um halb sechs Uhr morgens standen sie auf dem Eis; um sieben Uhr abends traten sie in Sneek bei Wirt Bouwe ein, um kurz zu rasten. Die Runde am Herd hörte, was die beiden geleistet hatten, und spendierte ihnen je einen halben Liter Bauernkaffee.

Sie sind die ersten Elfstädtefahrer, deren Namen bekannt sind, doch ihre Fahrt kam erst hundert Jahre später in die Zeitung: Am 12. Januar 1909 schrieb der Verwandte J.M. Bleeksma darüber in der Leeuwarder Courant. Im selben Jahr 1909 wurde der erste offizielle Elfstädtelauf gefahren. Die Strecke führt am Wassertor vorbei, und im August wird vor ebendiesem Tor die Sneekweek mit einer Flottenschau in der Kolk eröffnet. Das Wasser, in dem Zwarte Griet wohnte, ist in Sneek noch immer das Wasser, auf dem die Stadt feiert.

Quelle: Zwei Sagen aus der Volksverhalenbank van de Lage Landen (Meertens Instituut): BIJLSMA002309, erzählt von Douwe H. Kiestra am 9. November 1965, aufgezeichnet von T. Bijlsma, und LIJST304, Volkskundefragebogen 18 (1954), Formular B112p, ausgefüllt in Sneek am 1. Juni 1955. Angaben zum Eislauf: Ron Couwenhoven, «Hardrijderijen in Friesland. Volksvermaak op het ijs 1800-1900» (2016) und Schaatshistorie.nl. Historische Angaben: nl.wikipedia (Sneek, Waterpoort, Vestingwerken van Sneek) und Parlement.com.
Wusstest du? Das Wassertor ist auf dem Pik-Ass eines Kartenspiels mit niederländischem Bild abgebildet, und es gibt Nachbildungen davon in Madurodam (1976 gebaut), im Legoland im dänischen Billund, im japanischen Freizeitpark Huis ten Bosch bei Nagasaki und in einem Erholungspark beim chinesischen Shenyang. Der Bauernkaffee, den die ersten Elfstädtefahrer 1809 in Sneek vorgesetzt bekamen, bestand aus braunem Bier, etwas Branntwein, Muskatnuss und ein paar verquirlten Eiern, warm serviert.
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