Der Hexenbaum von Bladel
Der Hexenbaum von Bladel war eine 600-jährige Eiche am Bladel-Reusel-Weg. Bis 1812 versammelten sich nach Tradition jeden zunehmenden Mond sechs Bladeler Hexen unter seiner Krone. In dem Jahr fiel der Baum. Vor dem Fall hatte er eine Frage.
1 Sechs Hexen
Marlene Hellingrath, Klara Heeswijck, Geertruid Mertens, Antje Mertens, Sophia Heesters, Truike Coopmans. Alle über 50, alle Witwen, Kräuterfrauen, Hebammen, Bettlerinnen. Versammelten sich seit 1797. Keine Zauberei. Marlene 1809: «Wir reden. Teilen Wissen. Planen wer wem nächste Woche hilft. Singen drei Lieder. Kein Böses.» Behörde nahm nie Aktion.
2 Die Frage
14. Oktober 1812 schwerer Herbststurm. Sechs nicht unter dem Baum — Vollmond gerade vorbei — sondern zuhause. Baum knirschte Mitternacht, fiel drei Uhr morgens. Marlene wachte gleichzeitig auf, hörte (Tagebuch) eine Stimme (Baum): «Marlene, ich falle. Was tun ihr Sechs jetzt?» Wusste sofort. Sammelte andere fünf bei Tagesanbruch unter dem gefallenen Baum. Zogen zwölf Eicheln aus Ästen (zwei pro Hexe), pflanzten in sechs Gärten. 2026 stehen sechs Eichen 214 Jahre, alle Nachkommen. Versammlung verlegt von einem auf sechs; jeden zunehmenden Mond kommen die sechs Nachkommen (alle Frauen) unter eine der Eichen, im Wechsel. Heute: Anna Hellingrath (78), Bep Heeswijck (74), Greet Mertens (72), Tine Heeswijck (69), Suze Heesters (67), Marja Coopmans (65). Alle Bladeler, alle Witwen oder allein. Bladel weiss. Niemand stört.
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