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Ameland, Fryslân / Ameland

Rixt vom Oerd

Tier 0+ - Publiek 4 min Hexengeschichte
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An der östlichsten Spitze von Ameland, weit entfernt von den Dörfern Buren und Nes, liegt das Oerd: ein einsames Dünengebiet, wo der Sand niemals stillsteht. Dort lebte vor langer Zeit eine Frau namens Rixt. Die Insulaner mieden sie als Hexe. Mit ihrer Laterne lockte sie nachts Schiffe auf die Sandbänke — bis das Meer ihr ihren eigenen Sohn Sjoerd zurückbrachte. Seit jener Nacht ist sie aus den Dünen verschwunden und geistert seither als Spuk umher.

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1 Die Frau in den Dünen

Auf dem Oerd, dem wilden Osten von Ameland, lebte Rixt allein in einer niedrigen Hütte aus Wrackholz und Soden. Ihr Mann war vor langer Zeit auf See geblieben; ihr einziger Sohn Sjoerd war als Knabe mit einem Schiffer von Vlieland ausgefahren. Seitdem saß sie allein in den Dünen, und die Insulaner sagten, sie sei nicht geheuer. Sie sprach nicht, sie grüßte nicht, sie hatte kein Vieh, und doch fehlte es ihr nie an Speise oder Trank — denn sie war eine Strandjägerin, und was das Meer hergab, war ihres.

Doch was das Meer nicht hergab, das rief sie. In Sturmnächten stieg sie hoch auf das Oerd, mit einer Laterne an einer Stange befestigt. Wer von See aus die Dämmerung absuchte, glaubte einen Leuchtturm zu sehen oder ein sicheres Licht an Land. Dann steuerten die Schiffer auf das Licht zu — und liefen auf die Sandbänke vor dem Oerd, wohin nie ein Rettungsboot rechtzeitig kam. Am Morgen war die Küste übersät mit Balken, Ballen und Leichen. Rixt sammelte, was sie brauchte, lachte schrill auf und verschwand in ihrer Hütte.

2 Das Schiff auf der Bank

An einem Herbstabend — der Wind kam aus Nordwest, geradewegs auf die Küste — ging Rixt wie immer hinaus mit ihrer Laterne. Ein Schiff näherte sich aus See. Sie hisste ihr Licht und wartete. Das Schiff steuerte heran, schlug auf die äußerste Bank und brach in zwei. Die Schreie der Mannschaft wurden vom Wind in Fetzen gerissen. Rixt lief durch das aufspritzende Wasser zu den ersten Leibern, die anschwemmten.

Sie drehte einen Toten um, um ihn zu plündern. Da brach der Mond für einen Augenblick durch die Wolken. Im bleichen Schein erkannte sie — ihren Sohn. Sjoerd. Er trug noch den silbernen Ring, den sie ihm an seinem elften Geburtstag gegeben hatte. Sie sank in den Sand und stieß einen Schrei aus, der die ganze Nacht über das Oerd dröhnte. Die Insulaner in Buren hörten ihn und schlugen Kreuze.

3 Rixt auf dem Oerd

Als die Strandjäger am nächsten Morgen an den Strand kamen, fanden sie keine Rixt mehr. Ihre Laterne lag erloschen im Sand, ihre Hütte war leer. Manche sagten, sie sei ins Meer gegangen. Andere sagten, die Dünen hätten sie aufgenommen, lebendig gestraft, und dort wandere sie nun bis ans Ende der Welt.

Bis heute, sagt man auf Ameland, hört man in Sturmnächten auf dem Oerd eine Frauenstimme rufen: «Sjoerd! Sjoerd!» durch die Dünen. Und manchmal sieht ein Wanderer zwischen dem Strandhafer ein Licht sich bewegen, das winkt und wieder erlischt. Wer ihm folgt, verirrt sich; wer heimkommt, bringt drei Tage lang kein Wort heraus. So wacht Rixt über ihr Oerd — auf ewig auf der Suche nach dem Sohn, den das Meer ihr zurückgegeben hat, im Tausch gegen alle anderen.

Quelle: Ameländer Volkstradition; W. Dykstra (1895); J.P. Wiersma, «Friesche sagen» (1934); G.A. Brongers.
Wusstest du? Das Oerd auf Ameland ist seit 1947 Naturschutzgebiet der niederländischen Staatsforstverwaltung. Die Rixt-Sage gehört zu den bekanntesten des friesischen Wattenmeers; seit 2010 zieht das Amateurensemble «Rixt fan it Oerd» jedes Jahr durch die Dünen mit einem Freilichtspiel.
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