Tidde Winninga, der Häuptling
Tidde Winninga (ca. 1380-1444), Häuptling von Wirdum in den Ommelanden, war 1422 in Fehde mit dem Häuptling Onno Onsta von Sauwerd. Onno hatte Tiddes Bruder getötet. Tidde griff Onno 1422. Er gab ihm nicht den Tod, sondern ein Recht.
1 Die Wahl
Tidde griff Onno Juli 1422 an der Lauwers und brachte ihn zur Burg. Nach dem Brauch durfte er ihn töten — Blut für Blut. Tat es nicht. Fragte Onno: «Ich habe das Recht, dich für meinen Bruder zu töten. Ich gebe dir eine Wahl: du stirbst, oder du gibst mir ein Recht, das ich nicht fordere, sondern du freiwillig gibst. Entscheide.» Drei Nächte. Am dritten Morgen Onno: «Ich gebe dir das Recht, dass du nie nach Sauwerd kommst ohne meine Einladung. Nicht aus Furcht, aus Ehre. Ich bleib auf meiner Burg, du auf deiner. Wir sehen einander nie wieder.» Tidde liess Onno gehen.
2 Die Vergeltung
Onno hielt Wort. Kam nie nach Wirdum, Tidde nie nach Sauwerd. Fehde endete — in ihrem Leben. Onno starb 1438. Folkert Onsta, Sohn, fühlte sich nicht gebunden. Hielt Tiddes Geste «unmännlich» und schwor Rache. Juli 1444 belagerte er die Wirdumer Burg. Tidde vierundsechzig, wusste, er kann nicht kämpfen. Sandte Botschaft an Folkert: «Folkert Onsta, dein Vater gab mir ein Recht. Gib mir jetzt ein Recht: lass meine Frau, Kinder, Personal frei. Mich darfst du haben. Entscheide.» Drei Nächte. Am dritten Morgen liess Folkert Frau, Kinder, Personal frei, zerstörte die Burg, tötete Tidde. Sagte später: «Mein Vater gab Tidde ein Recht. Ich gab ihm das Gegenteil. Aber in beiden Fällen hat Tidde gewonnen, denn in beiden hat er die Wahl des Anderen bestimmt.»
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