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Heusden, Noord-Brabant / Land van Heusden en Altena

Das Rad von Heusden

Tier 0+ - Publiek 4 min Sage
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An der Bergsche Maas, wo Nordbrabant an das Flussland grenzt, liegt Heusden: neun Bastionen, sechs Ravelins, ein nasser Graben und drei Bockwindmühlen auf dem Wall. Es ist eine Stadt, die mehr als einmal verlorenging und jedes Mal zurückkehrte. In ihrem Wappen trägt sie ein rotes Rad, und über dieses Rad erzählen die Heusdener seit Jahrhunderten eine Geschichte. Darunter liegt eine Geschichte von Pulver, Feuer und Trümmern — und die Nacht vom 4. auf den 5. November 1944, die Heusden nie mehr losgelassen hat.

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1 Das Rad im Wappen

Das Wappen von Heusden ist schlicht: in Gold ein rotes Rad mit sechs Speichen, bedeckt mit einer goldenen Krone von fünf Blättern. Was dieses Rad bedeutet, weiß niemand genau — und gerade darum lebt eine Sage darum. Die Überlieferung will, dass ein Herr von Heusden eine englische Königstochter namens Sophia entführt habe. Der König schickte seine Diener aus, sie zurückzuholen. Sie fanden sie nicht in einem Kerker, sondern ruhig hinter einem Spinnrad sitzend, und das Rad dieses Rades soll seither im Stadtsiegel stehen.

Die Volkskundler haben die Geschichte nie für wahr gehalten. Das Spinnrad war in der Zeit, in der die Sage spielt, noch nicht erfunden, und die wahrscheinlichste Antwort liegt in der Kirche: Das Rad ist das Marterwerkzeug der heiligen Katharina von Alexandrien, Schutzpatronin der Stadt, nach der die Große oder Sankt-Katharinenkirche benannt ist. Dennoch ist die Spinnradgeschichte durchaus aufgezeichnet und bewahrt, in der Nederlandse Volksverhalenbank und in der Encyclopedie van Noord-Brabant.

Die Stadt selbst ist älter als ihre Sage. Heusden wird schon 722 als Hunsata super fluvium Mosam genannt, Heusden am Flusse Maas. Im zwölften Jahrhundert entstand dort eine Burg, und 1384 ließ Graf Albrecht von Bayern die Demer als Stadtgraben ausheben. Ab 1581 ließ Wilhelm von Oranien die mittelalterliche Mauer durch Erdwälle nach dem altniederländischen Festungssystem ersetzen, entworfen von Jacob Kemp.

2 Die Nacht vom 4. auf den 5. November 1944

Heusden hat mehr als einmal gebrannt. 1572 legte ein Stadtbrand fast die ganze Stadt in Asche. Am 24. Juli 1680 schlug der Blitz in den Pulverturm der Burg, wo sechzigtausend Pfund Schießpulver lagerten; die Explosion zerstörte die Burg, legte ein Drittel Heusdens in Trümmer und kostete schätzungsweise sechzig bis siebzig Menschen das Leben. Doch das Schwerste kam erst in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs.

Im Herbst 1944 war Heusden Frontstadt. Die Alliierten rückten durch Brabant vor, die Deutschen zogen sich hinter die Bergsche Maas zurück. Unter dem Granatfeuer suchten die Bewohner Schutz in den Kellern der Stadt. Etwa zweihundert Menschen hatten Unterkunft gefunden in den gewölbten Kellern des spätgotischen Rathauses, 1461 erbaut, nach dem Brand von 1572 wiedererrichtet und von vielen als eines der schönsten gotischen Rathäuser der Niederlande betrachtet.

In der Nacht von Samstag, dem 4., auf Sonntag, den 5. November 1944 sprengten die Deutschen ohne jede Vorwarnung den Turm dieses Rathauses. Sie taten es, um den vorrückenden Alliierten hohe Beobachtungsposten zu nehmen; auch die Kirchtürme und eine Mühle fielen in jener Nacht. Das Rathaus aber stürzte vollständig ein. Einhundertvierunddreißig Männer, Frauen und Kinder kamen um, etwa ein Zehntel der gesamten Bevölkerung. Keine vier Stunden später fuhren die ersten schottischen Panzer in Heusden ein.

3 Die Stadt, die aus Blaeus Karte wiedererstand

Was nach dem November 1944 blieb, war eine Stadt mit einem Loch im Herzen. Das Rathaus wurde nicht in alter Form wiederaufgebaut; auf dem Platz entstand 1956 ein neues Gemeindehaus von Nico van der Laan im Stil der Bossche School. An der Stelle des alten steht ein Denkmal für die Opfer, und jedes Jahr um den 4. und 5. November wird ihrer in Heusden gedacht.

Die Festung selbst war damals schon fast anderthalb Jahrhunderte ohne Zweck. 1821 verlor Heusden seinen Festungsstatus, 1879 zog die Garnison ab, und die Wälle verwilderten. Erst 1968 kam die Wende: eine groß angelegte Restaurierung, die zwanzig Jahre dauern sollte. Die Frage war, auf welche Zeit man zurückbauen sollte. Man wählte die Karte, die Joan Blaeu 1646 von der Stadt zeichnete, mit den Wällen, wie Jacob Kemp sie gemeint hatte.

So bekam Heusden sein Gesicht des siebzehnten Jahrhunderts zurück: neun Bastionen, sechs Ravelins, ein nasser Graben, der 1904 zugeschüttete Stadthafen wieder offen und die Tore neu aufgemauert auf ihren alten Fundamenten. Zwischen 1971 und 1975 wurden drei Bockwindmühlen auf dem nördlichen Wall errichtet. 1980 erhielt Heusden für diese Arbeit den Urbes-Nostrae-Preis, damals die höchste europäische Auszeichnung auf dem Gebiet der Stadtrestaurierung. Und dennoch ist die Festung kein Freilichtmuseum geblieben: Zwischen den Wällen wird gewohnt und gearbeitet. Wer über den Vismarkt geht, sieht das Rad an den Giebeln wieder — und auf dem Platz den Stein, der über einhundertvierunddreißig Namen schweigt.

Quelle: Wappensage verzeichnet in der Nederlandse Volksverhalenbank («Het wapen van Heusden») und bei Anton van Oirschot, Encyclopedie van Noord-Brabant (1985-1986). Historische Angaben: nl.wikipedia (Heusden, Stadhuisramp Heusden), BHIC und Erfgoed Brabant.
Wusstest du? Die drei Mühlen auf dem nördlichen Wall sind Bockwindmühlen, keine Rossmühlen: Sie wurden zwischen 1971 und 1975 wiedererrichtet, und für die erste wurde Holz einer abgebrochenen Mühle aus dem belgischen Lommel verwendet. Heusden zählt über hundertzwanzig Reichsdenkmäler und ist geschütztes Stadtbild. Die Festung wurde nach der Karte restauriert, die Joan Blaeu 1646 von der Stadt zeichnete, samt der unbequemen Ecken, die spätere Ingenieure gern begradigt hätten.
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