Der Teufel an Bord
Das Meer rund um Oostende war immer unvorhersehbar gewesen, doch diesmal war etwas anders. Die Fischerboote aus dem Hafen lagen still, ihre Netze ständig leer, Tag für Tag. Kein Hering, keine Scholle, kein einziger Fisch wollte anbeissen. Der Kapitän stand auf dem Deck und blickte in den grauen Himmel.
1 Der Teufel an Bord
“Der Teufel sitzt an Bord,” sagte der Kapitän schliesslich. “Es gibt keine andere Erklärung.” Die Männer schauten sich an, ihre Gesichter bleich. Sie wussten, was das bedeutete. Der Kapitän befahl: Alle Kleidung musste nach aussen gekehrt werden. Pullover um Pullover, Hose um Hose. Danach griffen die Männer Stöcke und Besen und begannen, gegen die Schiffswände zu schlagen, während sie Flüche in den Wind schrieen. Salz wurde über die Schultern geworfen. Ein Hufeisen wurde feierlich am Mast befestigt.
2 Die Netze voll
Während die Rituale andauerten, geschah etwas Wunderbares. Ein Mann an der Vorderseite des Schiffes schrie plötzlich auf. “Netze! Die Netze ziehen! Sie beissen!” Die Männer stürmten zu den Seiten. Tatsächlich waren die Netze voll geworden, so voll, dass sie kaum hochgezogen werden konnten. Fisch nach Fisch erschien auf dem Deck – Hering, Scholle und auch grössere Fische. Die Männer jubelten und tanzten, ihre Rituale waren gelungen.
3 Heimat im Hafen
Das Boot kehrte mit einer Fracht nach Hause zurück, die doppelt so schwer war wie normal. Als die Fischer in den Hafen von Oostende einliefen, wurden sie von der ganzen Gemeinde begrüsst. “Sie haben den Teufel vertrieben!” riefen die Frauen. An diesem Abend sassen die Männer in der Kneipe, tranken und erzählten vom Geschehenen. Jeder Mann versprach feierlich, das Hufeisen und das Salz nie zu vergessen, und dass jedes Schiff, auf dem er fuhr, mit denselben Ritualen beginnen würde.
Vie FelineKattengedrag en vachtverzorging
Heimweer.be — Europees Erfgoed Bewaard


