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Genk, Limburg

Die Hexe von Waterschei

Tier 0+ - Publiek 3 min Sage
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Im kleinen Dorf Waterschei, wo die Grube André Dumont die Erde aufgerissen hatte, lebte eine alte Frau mit mehr Macht, als das gewöhnliche Volk begreifen konnte. Dies ist die Geschichte eines Müllers, der ihren Zorn unterschätzte, und einer Nacht, in der die Grenze zwischen Wirklichkeit und Zauberei verschwamm.

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1 Der Abendbesucher

Der Müller X war ein Mann fäster Gewohnheiten. Jeden Abend, nachdem er seinen Mühlstein gereinigt hatte, spazierte er über die dunklen Pfade nach Waterschei, um seinen Freund zu besuchen. Dort saßen sie Stunden lang und sprachen über das Wetter, die Getreide-ernte und die kleinen Kleinstklatsch des Dorfes. Die Frau seines Freundes kannte ihn gut: eine alte Hexe mit scharfen Augen und noch scharferer Zunge. Sie trug immer dasselbe graue Kleid und ihre Hände waren immer in Bewegung, angeblich um ihre Kräuter zuzubereiten. An jenem bestimmten Abend saß der Müller länger als gewöhnlich. Stunde um Stunde verging. Die Nacht wurde tiefer. Schließlich durchbrach die Stimme der Frau die warme Küche: "X, es wird spät. Sie müssen jetzt nach Hause gehen. Ich fühle es – Sie werden heute nicht leicht nach Hause kommen." Der Müller lachte laut auf. "Warum sollte ich nicht nach Hause kommen? Es sind nur zwei Kilometer auf vertrauten Pfaden." Aber das Gesicht der Frau blieb düster. Sie beugte sich zu ihm hin und tippte ihn leicht auf sein Bein. Der Müller spürte es – ein Tippen, nichts weiter, aber voller Bedeutung.

2 Der Fluch und der Schmerz

Kaum zweihundert Meter von seinem Freundes Haus entfernt, fühlte der Müller es. Ein schrecklicher, zitternder Schmerz schoss durch sein Knie, als würden tausend Nadeln auf einmal in sein Fleisch gerammt. Er stieß einen Schrei aus und fiel auf Hände und Füße. Keine Schritt konnte er weitergehen. Der Schmerz war unerträglich. Er versuchte zu verstehen, was passiert war – ein Sturz? Ein Tier? Aber nein, er war vorsichtig gelaufen. Das war etwas anderes. Das war Zauberei. Mit Verzweiflung kroch er zuück zum Haus seines Freundes, seine Hände blutig von scharfen Steinen, sein Knie brennend als läge es im Feuer. An der Tür klopfend schrie er: "Sag deiner Frau, daß sie mich heilen muß! Jetzt! Sonst zünde ich dieses Haus an!" Der Freund, todesangst, rief seine Frau nach unten. Sie erschien in der Türöffnung, ihre Augen dunkel und undurchdringlich. "X," sagte sie ruhig, "was ist mit deinem Knie?"

3 Die Heilung und die Wahrheit

Der Müller brullte vor Schmerz und Wut. "Du hast das getan, du Schwindel! Du bist eine Hexe! Wenn du mich nicht sofort heilstst, werde ich dich töten!" Die Frau blickte ihn mit einem Blick an, der viel älter war als ihr Körper, und sagte nichts. Sie beugte sich nieder und legte ihre Hände auf sein Knie. Zwei Mal strich sie darüber. Und dann – wie durch Magie – verschwand der Schmerz. Völlig. Der Müller konnte sich bewegen. Der Schmerz war fort. Stille füllte die Küche. "Die Wahrheit," sagte die Hexe leise, "ist, dass Ihr weggehen könnt, wenn es dunkel wird. Aber Ihr müßt denken: Einige in diesem Dorf haben Kräfte, die Ihr nicht versteht." Der Müller zog sich zusammen. Er dankte ihr, hinkend und beschaemt, und ging hinaus in die Nacht. Hinter ihm, im Haus von Waterschei, zermalmte die Hexe ihre Kräuter fein und lächelte. Manche Geschichten sprechen von einer alten Macht, die tief in der Erde wuchs, wo die Grube sich nach unten schnitt, und von Frauen, die Teil von etwas viel Älterem als das Christentum waren.

Quelle: Verhalenbank (VVB ID:3420), Limburgische mündlich überliefert (Waterschei)
Wusstest du? Waterschei war bis 1988 eine eigenständige Gemeinde und wuchs im zwanzigsten Jahrhundert durch die Eröffnung der Steinkohlengrube André Dumont im Jahr 1907 stark, der ersten produzierenden Grube des Kempischen Steinkohlebeckens.
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