Die Bestie vom Gévaudan
In der bergigen Landschaft des Gévaudan, dem heutigen Departement Lozère, streifte zwischen Juni 1764 und Juni 1767 ein Untier umher, das kein Jäger erlegen konnte. Die Bestie zerriss Hirten, Hirtinnen und Kinder, entwich den Dragonern des Königs und wurde der Schrecken ganz Frankreichs. Bis heute weiß niemand mit Sicherheit, was die Bête du Gévaudan war.
1 Die ersten Angriffe
Am 1. Juni 1764 hütete eine Hirtin aus Saint-Etienne-de-Lugdarès ihre Kühe im Wald von Mercoire, an der Grenze zwischen Gévaudan und Vivarais. Plötzlich stürzte sich ein großes Tier auf sie — kein Wolf, wie sie später beschwor, sondern etwas Fremderes, mit kurzer Schnauze, funkelnden Augen und einem Fell wie das eines Wildschweins. Die Stiere ihrer Herde verjagten das Tier. Sie überlebte, doch es war die erste Erscheinung dessen, was bald «la Bête» heißen sollte.
Am 30. Juni fiel das erste Opfer: Jeanne Boulet, vierzehn Jahre alt, getötet bei Les Hubacs. Als sie am 1. Juli begraben wurde, schrieb der Pfarrer ins Kirchenbuch «tuée par la bête féroce» — getötet vom wilden Tier. Es war die erste von fast hundert Eintragungen, die in drei Jahren folgen sollten.
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