Der Teufel der Pont Valentré
Der Bau der Pont Valentré in Cahors dauerte fast siebzig Jahre. Der Sage nach rief der verzweifelte Baumeister den Teufel zu Hilfe und versprach ihm seine Seele. Als die Brücke fast fertig war, befahl er dem Teufel, mit einem Sieb Wasser zu holen. Auf dem mittleren Turm sitzt seither ein steinernes Teufelchen, das am letzten Stein zerrt.
1 Eine Brücke, die nicht vorankam
Cahors liegt in einer Schleife des Lot, fast ganz vom Fluss umschlossen. Das war gut für die Verteidigung und schlecht für den Verkehr, und darum begann die Stadt 1308 eine befestigte Brücke mit drei Türmen: die Pont Valentré.
Die Arbeit kam nicht voran. Es gab Kriege, es fehlte Geld, der Fluss riss bei Hochwasser die Gerüste mit, und was man in einem Sommer baute, war im Frühjahr bisweilen wieder fort. Der Baumeister sah sein Leben verstreichen an einer Brücke, die nicht fertig wurde.
Eines Abends, sagt die Geschichte, sprach er laut den Wunsch aus, wer immer ihm helfen wolle, möge ihm helfen. Es kam einer. Der Vertrag war der übliche: der Teufel werde alles tun, was der Baumeister ihm auftrage, und bei Vollendung der Brücke bekomme er die Seele des Mannes.
2 Das Sieb
Von da an ging es rasch. Der Teufel schleppte die Blöcke heran, er trug Balken, die zehn Mann nicht hoben, er bezwang das Wasser. Turm um Turm stieg empor. Und mit jedem Stein kam der Baumeister dem Tag näher, an dem er zahlen musste.
Als der letzte Stein des mittleren Turms noch zu setzen war, gab er seinen letzten Auftrag. Er reichte dem Teufel ein Sieb und hiess ihn damit Wasser für den Mörtel holen.
Der Teufel lief zum Lot, schöpfte und kam mit leerem Sieb zurück. Er versuchte es erneut, schneller, er versuchte es im Lauf, er hielt die Hände darunter. Das Wasser lief jedes Mal hindurch. Der Auftrag war unausführbar, und damit war der Vertrag gebrochen: die Brücke wurde nicht durch ihn vollendet, also blieb die Seele, wo sie war.
Der Teufel nahm seine Niederlage nicht sportlich. Er stieg auf die Spitze des mittleren Turms und riss den letzten Stein heraus. Man setzte ihn zurück, und am nächsten Morgen lag er wieder draussen. So ging es Jahr um Jahr, und darum heisst der mittlere Turm der Teufelsturm.
1879 erhielt die Brücke eine gründliche Restaurierung unter dem Architekten Paul Gout. Er liess, mit Gespür für die Gegend, oben auf jenem Turm ein kleines steinernes Teufelchen einmauern, das mit beiden Klauen am Stein zerrt. Seither bleibt der Stein liegen. Der Teufel hat ja seinen Platz bekommen, und solange er dort sitzt, braucht er nicht wiederzukommen.
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