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Dalheim, Remich

Die weiße Frau beim Neudörschens-Kreuz

Tier 0+ - Publiek 2 min Gespenstergeschichte
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Diese Geschichte ist aus erster Hand aufgezeichnet: der Urgroßvater des Erzählers in Dalheim spricht selbst, und er erzählt es als etwas, das ihm widerfahren ist. Das macht sie anders als die meisten Sagen, in denen immer ein anderer etwas gesehen hat.

HW HW

1 Die Frau, die nie näher kam

In einer Septembernacht ging ich, wie es damals Brauch war, Birnen sammeln, in der Meinung, der Tag werde bald anbrechen. Beim Neudörschens-Kreuz sah ich plötzlich eine schlanke, weiße Frauengestalt vor mir dahergehen.

Ich hielt sie für Jeannette, die auch Birnen sammeln wolle, und eilte, ihr zuvorzukommen. Aber obwohl sie nur langsam zu gehen schien, vermochte ich es doch nicht, sie einzuholen. Da bog ich ab, quer übers Feld zu mehreren riesengroßen Birnbäumen. Obgleich der Wind stark wehte, vermochte ich nicht, eine einzige Birne zu finden.

2 Die Birnen, die fielen

Ich schlug die erste Richtung wieder ein. Da sah ich die Jeannette am Fußpfad stehen, der am Saum des Waldes vorbeiführt, ruhig und still, als ob sie zusehen wolle.

Am Bergrücken, genannt die Ho, angelangt, hörte ich durch den Wind die Birnen herabfallen, sie fielen mir sogar auf den Kopf, aber finden konnte ich keine. Da hörte ich die Turmuhr von Dalheim Mitternacht schlagen. Ich kehrte zurück und sah das Weib immer noch am Saume des Waldes. Plötzlich stieß es einen hellen Schrei aus.

3 Zurück mit Weihwasser

Zu Hause angekommen hörte ich von den Meinigen, dass das nicht Jeannette sei, sondern ein Geist, der sich nächtlicherweile dort sehen ließ. Da beschloss ich zurückzukehren. Ich verrichtete ein Gebet, besprengte mich mit Weihwasser, steckte einiges Gesegnete zu mir und verließ das Haus.

Furcht kannte ich nicht. Auf Schlachtfeldern hatte ich dem Tod schon oft ins Auge geschaut, und da ich jenen mächtigen Geisterspruch kannte, der alle Geister Rede stehen macht, so wollte ich dem Geiste zu Leibe rücken.

Aber ich fand ihn nicht mehr an der vorigen Stelle. Schon begann es zu tagen, als ich plötzlich ein leises Wimmern vernahm. Sodann erfolgte ein so furchtbarer Knall, dass ich meinte, der ganze Wald sei auf einen Haufen gefallen. Das Geräusch ward noch furchtbarer. Ich stand in einem Meer von Flammen, Schlag auf Schlag erfolgte, die Erde begann nachzugeben, ich hielt die Hände über den Kopf und brach zusammen.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes (1883), Nr. 40, « Der Brunnengeist bei Dalheim », zweite Fassung
Wusstest du? Unter Dalheim liegen die Reste der römischen Siedlung Ricciacum, mit einem Theater für Tausende von Zuschauern. Die Gegend war lange vor den Geschichten besiedelt, die man heute dort erzählt.
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