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Düdelingen, Esch-sur-Alzette

Die gespenstische Hand

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Diese Geschichte kommt aus dem Wirtshaus, und als Wirtshausgeschichte ist sie aufgezeichnet: einer prahlt mit seiner Unerschrockenheit, geht eine Wette ein und muß hernach den Rest seines Lebens mit den Folgen leben. Der Galgenberg von Düdelingen, die Stelle, die man die Scherr nannte, lag hinter einem düsteren Hohlweg außerhalb des Dorfes.

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1 Die Wette

Vor vielen, vielen Jahren saßen eines Abends die Dorfbewohner zu Düdelingen im Wirtshause und erzählten von den Abenteuern, die sie in ihrem Leben während der Nüotswod bestanden hatten. Man sprach von Wölfen und Werwölfen, von Gespenstern und Hexen, die während der Nachtzeit die Hirten foppten und ängstigten.

Bei all diesen Wunderdingen kam das Gespräch auch natürlich auf den Galgen und auf den Sträfling, welcher seit einigen Tagen an demselben baumelte. Ein durchtriebener Bursche aus der Gesellschaft, welcher stets mit seiner Unerschrockenheit prahlte, wollte noch am selben Abend einen Beweis seiner Herzhaftigkeit ablegen. Er erbot sich gegen eine Wette, noch in der nämlichen Nacht und zwar um die Mitternachtsstunde auf den nahegelegenen Galgenberg zu gehen.

Das Unternehmen schien seinen Kameraden etwas zu gewagt, weil man von dem Galgenberg, namentlich von der Stelle, die man die Scherr nennt, gar seltsame Dinge erzählte. Es soll daselbst niemals recht geheuer gewesen sein. Man mußte, um dorthin zu gelangen, durch einen düsteren Hohlweg gehen, an welchem auf der einen Seite der Galgen stand, und auf der anderen Seite die weiße Frau, d’Josfer vum Gehansbiörg, sich zur Nachtzeit sehen ließ.

2 Die Hand im Wirtshaus

Die Wette wurde angenommen. Um die Mitternachtsstunde begab sich unser Held auf die Scherr. Er trat unerschrocken bis an den Galgen heran, und damit seine Kameraden keinen Zweifel über die Ausführung seines Heldenstückes hegen sollten, schnitt er sogar dem Erhenkten die rechte Hand ab und nahm diese als Überführungsstück mit sich.

Als er ins Wirtshaus zurückgekehrt war, trieb er dort allerhand Spaß mit der abgeschnittenen Hand. Er legte sie an sein Trinkglas, zog darauf an den abgehauenen Flachsen und brachte alsdann das auf diese Weise erfaßte Glas an den Mund, um dasselbe auszuleeren.

Nachdem die Gesellschaft auseinander geschieden war, wurde die Hand wieder auf die Scherr zum Galgen getragen.

3 Was es ihn kostete

Am anderen Morgen jedoch, als unser Ritter ohne Furcht aus dem Schlafe erwachte und die Augen aufschlug, sah er mit Entsetzen die abgeschnittene Hand neben seinem Bette liegen. Bestürzt sprang er auf und trug sie wieder zum Galgen. Aber umsonst. Am selben Abende, als er sich zur Ruhe begeben wollte, lag sie wieder vor seinem Bette. Er konnte sie so oft wegtragen, als er wollte, er ward sie nicht mehr los; stets kam sie zurück.

Die Mutter des geplagten Burschen erzählte dem Ortspfarrer die ganze Geschichte und bat ihn, dem grausigen Unwesen ein Ende zu machen. Der Pfarrer war ein sehr frommer Mann, und das Gerücht ging von ihm, er besitze die Kraft und das Geheimnis, sich fest zu machen, er könne Geister zitieren und bannen. Er ließ sich die abgeschnittene Hand vorlegen, und nachdem er viele und geheime Vorkehrungen getroffen hatte, befahl er, dieselbe neben dem Leichname zu begraben, worauf sie sich nimmer wieder sehen ließ.

Der junge Waghals aber hat nie mehr die gespenstische Hand vergessen können. Von der Stunde an nahm er ab und kränkelte bis zu seinem Lebensende. En hüot ko Guts me gedoen, schloß mein Erzähler.

Einige späte Wanderer, die nachts durch das Scherrthal gingen, wurden von dieser Hand gepeitscht, bis sie an der Kailer Brücke ankamen.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes (1883), Nr. 1191, « Die gespenstische Hand », mitgeteilt von J. Schmit, mit einem Zusatz von Pfarrer J. Prott
Wusstest du? Zwei Einzelheiten verankern die Sage in der Gegend. Die weiße Frau hieß auf luxemburgisch d’Josfer vum Gehansbiörg, die Jungfrau vom Johannisberg, dieselbe, die auch bei Hesperingen am Johannisberg umgeht. Und die Nuotswod, die Nachtsweide, war wirkliche Arbeit: Vieh, das die ganze Nacht draußen weidete unter der Aufsicht eines Hirten, genau der Dienst, bei dem man sich Spukgeschichten erzählte.
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