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Vianden, Vianden

Besser den Hut als den Kopf

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Dies ist keine Spukgeschichte, sondern eine Geschichte von Gastfreundschaft als Waffe. Der Plan des Viandeners war fehlerlos, in einem Punkte nicht: er hatte seine eigenen Leute mittrinken lassen. Der Schluß ist eine Antwort, die in der Gegend hängen blieb, und genau darum ist die Sage erhalten.

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1 Der Mann, den keiner fangen konnte

Auf der Burg von Vianden hauste einst ein böser, verschmitzter Ritter, der mit allen Edlen seiner Nachbarschaft in beständigen Streitigkeiten und Fehden lebte, und der vor keinem Mittel, selbst nicht vor dem Morde, zurückschreckte, um seine habgierigen oder nichtswürdigen Zwecke zu erreichen.

Durch vorsichtiges und geschicktes Benehmen hatte es der Herr von Burscheid allein verstanden, alle Pläne des Viandeners auf seine Person oder seine Güter zu vereiteln, und sich hierdurch den Haß des wilden Ritters zugezogen.

Da Gewaltmittel keine Aussicht auf Erfolg versprachen, beschloß letzterer nun, seine Zuflucht zur List zu nehmen.

2 Der Gegenbesuch

Nur von einem Knappen begleitet, ging er nach Burscheid auf Besuch und heuchelte dort so freundschaftliche und ritterliche Gefühle, daß er dem eine solche Verschlagenheit nicht ahnenden Burscheider das Versprechen entlockte, ihm einen Gegenbesuch zu machen, was einige Zeit darauf geschah.

Ein herrliches Fest hatte der falsche Freund angeordnet, als der Herr von Burscheid bei ihm als Gast erschien. Wacker zechten die Ritter. Nicht weniger wacker die Knappen, und in dem Gespräche, das diese untereinander führten, redeten sie von den rühmlichen Eigenschaften ihrer Gebieter.

Mein Herr, rief begeistert der Knappe von Burscheid, ist der Stärkste, der Tapferste, der Edelste der ganzen Christenheit.

Das mag sein, erwiderte ein berauschter Reisiger von Vianden, dieses alles wird eurem Herrn aber wenig mehr frommen, denn diese Nacht noch wird er sterben müssen.

3 Ohne Hut

Bald darauf verließ des Burscheiders Knappe unbemerkt die stark angeheiterte Gesellschaft, sattelte die Rosse, schlich dann zu seinem Herrn und flüsterte ihm ins Ohr: flieht schnell, es lauern auf euch Verrat und Mord.

Ohne Hut, um kein Aufsehen zu erregen, eilte nun der Burscheider mit seinem treuen Gefährten zum Stall, beide schwangen sich in die Sättel, und im Galopp ging es zum Thor hinaus.

Der Burgherr erblickte die Flüchtlinge erst vor der Zugbrücke und rief dann dem Burscheider höhnisch zu: ihr vergesset ja den Hut.

Besser den Hut als den Kopf verloren, antwortete dieser, und er war gerettet.

Quelle: Edmond de la Fontaine (Dicks), Luxemburger Sagen und Legenden (Luxemburg, Beffort, 1882), Nr. 335, « Der böse Ritter », nach von Cederstolpe, S. 83, dem Manuskript von N. Steffen und Schmits II, S. 94
Wusstest du? Burscheid ist die Burg über Heinerscheid im Norden des Landes, nicht weit von Vianden, die beiden Häuser lagen also nahe genug, um wirklich in Fehde zu stehen. Die Einzelheit, die die Sage trägt, ist klein und menschlich: der Gast reitet ohne Hut fort, um kein Aufsehen zu erregen. Der Burgherr bemerkt gerade das und ruft es höhnisch nach. Die Antwort, die er bekommt, ist das Einzige, was von dieser ganzen Verschwörung geblieben ist.
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