Das Pferd von Leiden
Während der Belagerung Leidens (1574) ass die Stadt alles auf — Hunde, Katzen, Ratten, Leder. Ein weisses Pferd des Bürgermeisters Pieter van der Werff lehnte er ab zu schlachten. Am 3. Oktober 1574 trug das Pferd den ersten Geusen in die Stadt. In der Pieterskirche dargestellt.
1 Der Hunger
Belagerung Leidens 26. Mai – 3. Oktober 1574. Im Juli alle Haustiere weg. Im August assen die Leidener Leder, Schuhsohlen, Buchbände. Bürgermeister Van der Werff besass ein weisses Pferd, Hagedoorn, sechs Jahre. Er weigerte sich zweimal, es zu schlachten. «Ein Bürgermeister hungert zuletzt, nicht zuerst. Wer essen will, esse sich selbst, nicht sein Pferd. Hagedoorn bleibt.» Stadtrat akzeptierte. Hagedoorn frass mit der Familie das gleiche — Gras, gekochte Borke, Salzwasser. Er wurde mager, lebte.
2 Der Entsatz
3. Oktober 1574, vier Uhr morgens. Geusen unter Admiral Lodewijk van Boisot kamen über die Vliet in die Stadt, mit Hering und Weissbrot. Bürgermeister Van der Werff sass bereits auf Hagedoorn am Koepoort. Boisot: «Bürgermeister, das Pferd hat den Hunger überlebt, den die Stadt gewonnen hat. Ich reite nicht. Sie tun es.» Van der Werff ritt Hagedoorn über die Breestraat zur Pieterskirche. Hagedoorn lebte zehn Jahre weiter, starb 1584. Schnitzwerk in der Pieterskirche 1580: «Hagedoorn 1574». Tradition: «Ein Pferd in Hunger nicht zu essen ist nicht Dummheit; es ist Hoffnung. Wer sein Pferd isst, isst sein Vermögen zu entkommen. Wer sein Pferd behält, hat ein Bein zum Reiten, wenn der Entsatz kommt.»
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