Der Brand der Fingerhutmühle
Am 12. Oktober 1738 brannte die Fingerhutmühle an der Lek bei Vianen in einer Nacht völlig nieder. Der Müller Klaas van Dijk wurde aus dem Feuer von seiner Tochter Mietje (14) gezogen, die ihre rechte Hand verlor. Die Mühle wurde nicht wieder aufgebaut; ein Gedenkstein steht noch auf dem Lekdeich.
1 Der Brand
Klaas van Dijk (52), Müller in der Fingerhutmühle am Lekdeich, schlief oben. Tochter Mietje (14) im Müllerhaus 50 Meter entfernt. Am 12. Oktober 1738, halb zwölf nachts, sprang ein glühender Metallsplitter aus der Schmiede in den Mühlenstaub — Fingerhüte wurden im Mehlhaus aus Messing gehämmert, der Staub brennbar. Die Mühle stand in einer Minute in Flammen. Klaas wachte, lief zur Treppe; die Treppe war Feuer. Er rief: «Mietje! Die Nachbarn!»
2 Die Hand
Mietje hörte den Ruf, lief zur Mühle, die Nachbarn kamen nicht. Sie kannte die Notluke hinter der Mühle. Sie brach sie auf, kroch hinein. Das Feuer war überall. Sie rief ihren Vater; er fiel ihr von der Treppe entgegen. Sie packte ihn am Mantel mit der rechten Hand — ihre Hand fing Feuer. Sie schleppte ihn sechs Meter zurück zur Luke. Draussen löschte ein Nachbar mit nassem Schlamm. Klaas lebte, zwei gebrochene Beine, Kopfwunde, sonst heil. Mietjes Hand war nicht zu retten — bis zum Handgelenk abgenommen drei Wochen später. Die Mühle war Asche. Vianen baute nicht wieder; eine Fingerhutmühle war laut und gefährlich. Mietje lernte links schreiben, heiratete 1745 den Schmied Pieter Bos, der 1738 krank gelegen und nicht geholfen hatte — er bat um Vergebung zur Hochzeit, sie verzieh. Sechs Kinder. Mietje starb 1798, 74 Jahre. Auf dem Gedenkstein steht ihr Name, nicht der des Vaters. Vianer Tradition: «Wer jemanden aus dem Feuer zieht, gibt eine Hand. Wer die Hand nimmt, bleibt lebenslang dankbar — und der Gebende ist leicht, denn er trägt weniger.»
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