König Popiel und der Mäuseturm
Am Ufer des Gopło-Sees bei Kruszwica steht ein Backsteinturm, den die Leute Mäuseturm nennen. Der Name verweist auf eine der ältesten und grausigsten Sagen Polens, die von König Popiel.
1 Der schwache König
Popiel herrschte von Kruszwica aus über die Stämme am Gopło-See, doch er war ein schwacher und träger Fürst, ganz im Bann seiner ehrgeizigen Frau. Sie flüsterte ihm ein, seine Onkel, die weisen Ältesten des Reiches, bedrohten ihre Macht.
Die Onkel hatten dem jungen König stets treu gedient und ihn beschützt. Dennoch beschloss Popiel, von der Königin aufgestachelt, sie zu beseitigen.
2 Das Gift beim Fest
Popiel lud seine Onkel zu einem großen Versöhnungsfest. Er reichte ihnen Wein, in den die Königin Gift gemischt hatte. Einer nach dem anderen starb, und der König ließ die Leichen ohne Ehre und Begräbnis in den See werfen.
Doch aus den verwesenden Leichen, so erzählt die Sage, kam ein unabsehbares Heer von Mäusen hervor. Sie witterten den Mörder und zogen in Wellen auf seine Burg zu.
3 Die Strafe im Turm
Zu Tode erschrocken floh Popiel mit seiner Frau in den höchsten Turm am Wasser und verriegelte alle Türen. Es half nichts. Die Mäuse nagten sich durch Holz und Stein, stiegen die Treppen hinauf und drangen bis in die oberste Kammer.
Dort verschlangen sie den König und die Königin, bis nichts von ihnen blieb. So endete das Geschlecht Popiels, und der Sage nach folgte der einfache Radmacher Piast, Stammvater der polnischen Könige. Der Turm am Gopło heißt seither Mäuseturm.
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