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Eppstein, Hessen / Taunus

Ritter Eppo und das Burgfräulein

Tier 0+ - Publiek 4 min Sage
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Über der hessischen Stadt Eppstein, wo sich der Schwarzbach durch die Berge des Vordertaunus windet, ragt auf einem Felssporn die Ruine der Burg Eppstein. Zu ihren Füßen drängen sich die schiefen Fachwerkhäuser der Altstadt. Die Sage erzählt, ein Ritter namens Eppo habe hier einst das schöne Burgfräulein Bertha von Bremthal aus der Gewalt eines Riesen befreit, das Ungeheuer in eine tiefe Schlucht gestürzt und an dieser Stelle die Burg gegründet, die seither seinen Namen trägt.

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1 Der Fels über dem Tal

Der Vordertaunus ist ein Land aus Schiefer, und bei Eppstein tritt das grünliche Gestein offen zutage. Auf einem schmalen Felssporn, durch einen Halsgraben vom Bergrücken getrennt, sitzt die Burg wie ein Adlerhorst über dem Tal. Bauforscher datieren ihre Gründung ins zehnte Jahrhundert; errichtet wurde sie als Reichsburg zur Sicherung der Grenze, urkundlich zuerst genannt im Jahr 1122. Weithin sichtbar bleibt der runde Bergfried, der im Mittelalter dreiunddreißig Meter maß, von denen heute noch vierundzwanzig aufrecht stehen.

Tief unten, wo Daisbach und Dattenbach zum Schwarzbach zusammenfließen, schmiegt sich die Altstadt an den Hang, ein Gewirr enger Gassen und windschiefer Fachwerkhäuser. Die Perle der nassauischen Schweiz hat man den Ort einmal genannt. Ein solcher Platz, wo der Fels den Himmel teilt und das Echo von den Wänden zurückschlägt, verlangt nach einer Geschichte, die so alt scheint wie der Stein selbst. Eppstein hat sie in seinem Ritter Eppo gefunden.

2 Ritter Eppo und das Burgfräulein

In grauer Vorzeit, so geht die Erzählung, hauste in den Wäldern des Taunus ein Riese von ungeheurer Stärke. Er hatte das schöne Burgfräulein Bertha von Bremthal geraubt und hielt es in seiner Gewalt, und niemand im Lande wagte sich an das Ungeheuer heran. Da kam ein Ritter des Weges, Eppo mit Namen, den manche auch Ebbo nennen, ein Mann von Mut und festem Arm. Er nahm sich vor, die Jungfrau zu befreien, was immer es ihn kosten möge, und stieg hinauf in die Felsen, wo der Riese hauste.

Es kam zum Kampf, und Eppo trug den Sieg davon. Er stürzte den Riesen in eine tiefe Schlucht, wo dieser zerschmettert liegen blieb, und führte Bertha in die Freiheit zurück. Auf dem Felsen aber, von dem aus er nun die ganze Gegend beherrschte, baute er sich eine feste Burg, und man hieß sie nach ihm die Eppstein. Zum Zeugnis der Tat hängte man eine Rippe des erschlagenen Riesen über dem Burgtor auf, wo sie den Besuchern noch bis in das Jahr 1854 gezeigt wurde.

3 Zwischen Sage und Urkunde

Jene Rippe gibt es wirklich, doch sie stammt von keinem Riesen. Als man den Knochen später untersuchte, erwies er sich als der eines Wals aus dem siebten oder achten Jahrhundert. Heute ruht er in der Sammlung Nassauischer Altertümer zu Wiesbaden, während auf der Burg eine Nachbildung an die alte Geschichte erinnert.

Auch der Ritter Eppo lässt sich in keiner Urkunde fassen. Erwähnt wird er zuerst vom Darmstädter Geschichtsschreiber Helfrich Bernhard Wenck, und die Fassung mit dem Riesen und dem Burgfräulein erschien erst 1828 im Druck. Schon früher hatten die Eppsteiner ihr Geschlecht gern auf eine altrömische Familie zurückgeführt, und seit 1843 wollte man es sogar von einem fränkischen Herzog herleiten; das wirkliche Geschlecht aber stammte von den Herren von Hainhausen im Rodgau, die zwischen 1183 und 1190 in den Besitz der Burg kamen und sich fortan Herren von Eppstein nannten.

Ihre Geschichte brauchte den Riesen nicht, um groß zu sein. Zwischen 1200 und 1305 stellten die Eppsteiner mit Siegfried II., Siegfried III., Werner und Gerhard II. gleich vier Erzbischöfe von Mainz und stiegen zu einer der mächtigsten Familien des Hochmittelalters auf. Am Fuße ihrer Stammburg wuchs die Siedlung, die 1318 das Stadtrecht erhielt. Die Sage aber gab Eppstein, was keine Urkunde geben kann: einen Gründer, so kühn und aufrecht wie die Burg auf ihrem Felsen.

Quelle: Sage nach H. B. Wenck; gedruckte Fassung 1828; de.wikipedia Burg Eppstein und Herren von Eppstein; Stadt Eppstein.
Wusstest du? Bis 1854 hing über dem Eppsteiner Burgtor eine Rippe, die man für den Knochen des von Ritter Eppo erschlagenen Riesen hielt. Tatsächlich stammt sie von einem Wal aus dem siebten oder achten Jahrhundert und liegt heute in der Sammlung Nassauischer Altertümer in Wiesbaden; auf der Burg zeigt man eine Nachbildung.
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