Die Steinerne Brücke und die Wette mit dem Teufel
Über die Donau bei Regensburg spannt sich seit dem zwölften Jahrhundert die Steinerne Brücke, ein Bogenwerk aus Kalkstein, das jahrhundertelang der einzige feste Donauübergang zwischen Ulm und Wien war. Wer heute hinübergeht, spürt auf halbem Weg einen sonderbaren Buckel im Pflaster, und darauf sitzt ein kleines steinernes Männlein, das die Hand über die Augen hält und zu den Türmen des Doms hinübersieht. Die Regensburger sagen, Buckel und Männlein erzählten zusammen eine einzige Geschichte: die einer Wette, die mit dem Teufel ausgetragen wurde.
1 Die Wette zweier Baumeister
Um das Jahr 1135 wurde in Regensburg an zwei großen Werken zugleich gebaut. Am Ufer der Donau setzte ein Baumeister die ersten Pfeiler für eine Brücke aus Stein — etwas, das man im Reich kaum gesehen hatte, denn die Leute kannten hölzerne Brücken, die jeder Eisgang fortriss. Ein paar hundert Schritte weiter, innerhalb der Stadtmauer, arbeitete ein zweiter Baumeister am Dom. Die beiden kannten einander gut, denn sie hatten dasselbe Handwerk gelernt, und unter Handwerkern blieb es selten bei freundlichen Worten.
An einem Abend im Wirtshaus schlugen sie auf eine Wette ein: wer von beiden sein Werk zuerst vollendete, sollte vom anderen ein Fass des besten Weines bekommen und, was schwerer wog, die Ehre der ganzen Stadt. Der Dombaumeister lachte in den Bart, denn Stein auf Stein zum Himmel zu schichten ging ihm leicht von der Hand. Der Brückenbaumeister musste im Wasser selbst schuften, zwischen Sandbänken und Stromschnellen, und seine Pfeiler mussten jeden Winter den Eisgang aushalten.
Schon nach zwei Jahren ragte der Chor des Doms hoch über die Dächer, während am Fluss noch kein einziger Bogen geschlossen war. Der Brückenbaumeister zählte seine Tage, seine Steine und sein Geld, sah auf das steigende Wasser und begriff: so verlor er.
2 Die Hilfe des Teufels
In einer Nacht ging er ratlos am Ufer entlang. Plötzlich stand ein Fremder neben ihm in dunklem Mantel, der ihn beim Namen nannte und sagte, er wisse wohl, was den Baumeister quäle. Er bot an, die Brücke in wenigen Jahren zu vollenden, und das unter einer einzigen Bedingung: die ersten drei Seelen, die über die fertige Brücke gingen, gehörten ihm.
Der Baumeister verstand nur zu gut, wer vor ihm stand. Dennoch gab er ihm die Hand, denn die Verzweiflung war größer als die Furcht. Was dann geschah, ging so schnell, dass ganz Regensburg staunte. Blöcke, die zehn Männer nicht heben konnten, lagen am Morgen schon an ihrem Platz. Pfeiler standen mitten im Strom, als wäre die Donau beiseitegetreten. Bogen um Bogen schloss sich, und die Brücke wuchs dem anderen Ufer entgegen.
Am Dom ging es unterdessen zu, wie es an einem Dom zugeht: langsam, feierlich und mit viel Gebet. Als die Brücke 1146 fertig dalag, stand der Dom noch immer im Gerüst. Der Brückenbaumeister hatte seine Wette gewonnen — doch in der Nacht vor der Einweihung schlief er keine Stunde.
3 Der Buckel und das Brückmännchen
Am nächsten Morgen wartete das Volk auf beiden Seiten des Flusses mit Fahnen und Trommeln. Der Baumeister ließ das Brückentor öffnen und trieb als Erstes einen Hahn auf das Pflaster, danach einen Hund und zuletzt eine Henne. Die drei Tiere trippelten unbekümmert hinüber. Erst dann setzte der Baumeister selbst den Fuß auf die Brücke, und hinter ihm die ganze Stadt.
Der Teufel, der unter dem mittleren Bogen auf seine drei Seelen gewartet hatte, griff fluchend nach den Tieren und sah, dass man ihn hereingelegt hatte: drei Seelen waren versprochen, von Menschenseelen aber war mit keinem Wort die Rede gewesen. Wütend warf er sich unter das Mauerwerk und zerrte mit aller Kraft an der Brücke, um sie zu brechen. Doch das Werk war sein eigenes Werk und so gut gebaut, dass es hielt. Nur in der Mitte bekam er sie ein Stück hoch und krumm gedrückt. Seither läuft die Steinerne Brücke nicht eben, sondern mit einem Buckel in der Mitte.
Genau auf diesem Buckel sitzt das Brückmännchen, das steinerne Männlein. Es hält die Hand über die Augen und schaut zum Dom hinüber, als wollte es nach acht Jahrhunderten noch immer wissen, ob der Dombaumeister endlich fertig sei. Und weil es dort ohne Schatten im Wind sitzt, ruft es der Sage nach die ganze Zeit dasselbe: schau doch, wie heiß die Sonne hier auf der Brücke brennt. Die Brücke selbst, zwischen 1135 und 1146 in nur elf Jahren errichtet, wurde zum Vorbild des mittelalterlichen Brückenbaus in Europa. König Konrad III. und später Kaiser Friedrich Barbarossa zogen mit ihren Kreuzfahrern darüber nach Osten. Was der Teufel nicht brechen konnte, steht noch.
Vie FelineKattengedrag en vachtverzorging
Heimweer.be — Europees Erfgoed Bewaard


