Woher Urach so geheißen
Für die Stadt Bad Urach am Fuße der Schwäbischen Alb lebt eine spielerische Volkserklärung des Namens. Nach der alten schwäbischen Sage kommt der Name «Urach» vom deutschen Wort «Uhr» — weil die jagenden Grafen im Tal eine große Uhr aufstellen ließen, um die Zeit zu hören. Die Gelehrten wissen es jedoch besser.
1 Die jagenden Grafen und ihre Uhr
Nach alter schwäbischer Volksüberlieferung soll der Name Urach von einem merkwürdigen Brauch kommen. In früheren Zeiten hielten sich die Grafen des Gebietes Tag und Nachtszeit in den ausgedehnten Wäldern auf, um Wild zu jagen. Dort im Wald stand kein Kirchturm, kein läutendes Kapellchen, nichts, was ihnen die Zeit angeben konnte.
Deshalb — so sagt die Sage — ließen die Grafen ins Tal hinunter eine große Uhr stellen, daß sie schlagen hören konnten. Auf diese Weise wussten sie auch in den tiefsten Wäldern, welche Stunde es war, und konnten ihre Jagd nach der Zeit richten. «Von Uhr», so schließt der alte Text, «bekam die Stadt hernach den Namen Urach.»
2 Was die Gelehrten sagen
Die Volksetymologie ist schön, doch die moderne Sprachwissenschaft gibt eine andere Erklärung. Nach dem Gelehrten Tscherning kommt der Name Urach nicht von «Uhr», sondern vom althochdeutschen Wort «Ur» — das ist der Auerochse, das gewaltige wilde Rind, das einst durch die schwäbischen Wälder streifte. Die Grafen jagten zweifellos darauf.
Nicht nur das schwäbische Urach trägt diesen Namen. Auch im Schwarzwald liegt ein Urach. Außerdem gibt es Urbach (volksmäßig Aurach oder Auerbach) und das ältere Urlau, das in einer württembergischen Urkunde von 1109 als «U’rallon» erscheint. Alle abgeleitet vom Auerochsen — einem Tier, das längst ausgestorben ist, doch in Ortsnamen bis heute fortlebt.
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