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Grevenmacher, Grevenmacher

Der Stolzemberg, jeden Vorabend von neuem

Tier 0+ - Publiek 2 min Gespenstergeschichte
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Im Grevenmacherer Walde liegt ein Ort, der Stolzemberg heißt. Die Sage erklärt, warum der Name Stolz bedeutet, und sie liefert etwas dazu, was Sagen selten tun: einen festen Kalender. Dieser Spuk hält das Kirchenjahr ein.

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1 Was an jedem Vorabend geschieht

Im Grevenmacherer Walde, im Ort genannt Stolzemberg, geht an allen Vorabenden eines kirchlichen Hauptfestes folgender Spuk.

Gegen Mitternacht erscheint auf dem Wege am Fuße des Berges, in alterthümlicher Tracht, ein Jägerbursche, der bald horchend stille steht, bald wie in Gedanken vertieft langsam einherschreitet.

Dann schleicht geheimnißvoll ein junges Mädchen zum Jäger heran, und beide fallen sich in die Arme.

Von dem Gipfel des Berges erschallet nun ein Horn. Zitternd fliehen die Liebenden in den Wald, inmitten eines sich von allen Seiten erhebenden furchtbaren Lärmes, in welchem man jedoch deutlich Hilferufe und das Jammergeschrei Sterbender vernimmt.

So tobt es fort, bis vom Buchholzer Hof her beim ersten Hahnenschrei alles verstummt.

2 Die Tochter und der Jägerbursche

Einst stand auf dem Stolzemberg die Burg eines mächtigen Grafen. Sein einziges Kind, eine liebenswürdige Tochter, empfand eine unüberwindliche Neigung zu einem schmucken Jägerburschen von niederm Stande und besuchte denselben des Nachts im Walde.

Dies wurde dem Grafen hinterbracht in einem Augenblicke, als eben ein neues Stelldichein im Gange war.

3 Zwei Stoße und ein Kreuzzug

Wüthend stürzte der stolze Herr mit seinem Gefolge auf die Liebenden los, erreichte dieselben bald und stieß im Jähzorn dem Jägerburschen sowie seiner Tochter sein eignes Schwert ins Herz.

Doch kaum waren beide zu des Grafen Füßen als Leichen niedergesunken, als derselbe schon die bitterste Reue empfand. Sein Gewissen ließ ihm jedoch keine Ruhe mehr: er schloß sich einem Kreuzzuge an und kehrte nimmer zurück.

Zur Sühne dieses doppelten Mordes muß nun bis zum jüngsten Tage der dem Bösen verfallene Geist des Grafen die ruchlose That am Fuße des Schloßberges periodisch wiederholen, des Berges, den das Volk seit jener Zeit Stolzemberg nennt.

Quelle: Edmond de la Fontaine (Dicks), Luxemburger Sagen und Legenden (Luxemburg, Beffort, 1882), Nr. 49, « Der Ritter von Stolzemberg », nach den Manuskripten des Notars Ritter und von J. Engling
Wusstest du? Man achte auf die Mechanik der Strafe. Der Graf selbst ist fort, auf Kreuzzug und nie zurückgekehrt. Was bleibt, ist sein Geist, der die That wieder und wieder vollziehen muß, bis zum jüngsten Tag. Das ist eine strengere Strafe als der Tod: der Täter wird sein eigenes Publikum. Der Hahnenschrei vom Buchholzer Hof ist in der Gegend die Grenze der Nacht, wie anderswo die Kirchenglocke.
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