Das Felsefrächen zwischen Machtum und Grevenmacher
Dies ist eine jener Geschichten, die auf halbem Wege umschlagen. Sie beginnt als freundliche Sage von einer weisen Frau in den Felsen über den Moselweinbergen und endet auf einem Scheiterhaufen. Aufgezeichnet hat sie der Lehrer Wagner zu Grevenmacher, derselbe, der Heimweer die Geschichte der Kreuzkapelle gab.
1 Zwei Spalten im Felsen
In den hohen Felsen, die zwischen Machtum und Grevenmacher die Weinberge begrenzen, hielt sich vor zweihundert Jahren eine Frau auf, nach einigen drei Frauen, welche unter dem Namen Felsefrächen bekannt war.
Während der Nacht war sie meistens auf den Bergen; bei Tage sah man sie selten und dann nur zur Essenszeit, wo sie, jedoch ohne zu sprechen, zu den Arbeitern und Winzern kam.
In den Felser-Felsen befinden sich in geringer Entfernung von einander zwei Spalten, von denen die eine so groß ist, daß man fast aufrecht durch dieselbe in den Felsen hinein gehen kann. Dort soll das Frächen immer zu der einen hinein- und zu der anderen herausgegangen sein, ohne daß jemand es wagte, ihr zu folgen und nach ihrer unterirdischen Wohnung zu forschen.
2 Spinnen und heilen
Ihr Hauptgeschäft soll Spinnen gewesen sein. Die einzigen Laute, die man von ihr hörte, waren allnächtlich um die Geisterstunde ein lautes Singen und Schreien.
Sie bereitete allerlei wohlthuende Tränke für krankes Vieh und war von den Bewohnern der umliegenden Ortschaften mehr geliebt als gefürchtet.
3 Der Knabe, der nicht zurückkam
Einst schickte eine Frau ihren Sohn zum Felsefrächen, um einen Trank für ihre erkrankte Kuh zu erbitten. Diese lockte den Knaben, der ihr gefiel, in ihre unterirdische Wohnung und ließ ihn nicht mehr von sich.
Dem Knaben konnte es aber dort nicht gefallen, er versuchte zweimal, während ihrer Abwesenheit zu entkommen, jedoch vergebens. Bei einem dritten Fluchtversuch geriet die rätselhafte Frau in Zorn, überfiel den Knaben und brachte ihn um.
Als die That ruchbar wurde, fing man das Felsefrächen und verbrannte sie auf einem Scheiterhaufen.
Nachher soll sie noch öfter gesehen worden sein, besonders von Frauen, die des Morgens früh zur Mosel gingen, ihre Wäsche zu besorgen.
Vie FelineKattengedrag en vachtverzorging
Heimweer.be — Europees Erfgoed Bewaard


