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Heiderscheid, Wiltz

Das Schmelzmännchen und der Fährmann

Tier 0+ - Publiek 2 min Gespenstergeschichte
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Zu Heiderscheidergrund ging vor vielen Jahren im Ort genannt op der Schmelz ein in die umliegenden Gebirge verbannter Geist um, das Schmelzmännchen. Mancher, dem es Übles wollte, konnte sich nicht genug vor ihm in Acht nehmen.

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1 Die Ruten

Mehr als einmal wurde jemand, der an der genannten Stelle vorbeiging, vom Schmelzmännchen mit Ruten derb gepeitscht, ohne dass er jedoch den Geist zu sehen bekommen hätte. Das ist das Erste, was an diesem Spuk auffällt: er ist völlig unsichtbar und zugleich ganz und gar körperlich.

Wer Schläge von etwas bekommt, das nicht da ist, braucht keine Geschichte, um sich zu fürchten. Die Geschichte kommt erst danach, um zu erklären, was geschehen ist.

2 Hol über

Einmal, es war tief in der Nacht, erscholl von der Schmelz herüber das bekannte hol über eines Reisenden. Der Fährmann, der am anderen Ufer der Sauer wohnte, machte schnell seinen Kahn los, um den Reisenden herüberzuholen.

Wie erstaunte er aber, als er am jenseitigen Ufer angekommen keinen Menschen dort antraf. Glaubend, er habe sich getäuscht, bestieg er wieder seinen Kahn und ruderte an das andere Ufer. Kaum war er dort ausgestiegen, so hörte er wieder ein hol über herüberschallen.

3 Die Rechnung

Der Mann glaubte, es könne doch jemand dort sein, und fuhr wieder zurück. Aber sobald er das jenseitige Ufer betreten hatte, regnete es Prügel auf ihn, dass ihm fast Hören und Sehen verging.

Er hatte jetzt nichts Eiligeres zu tun, als sich in seinen Kahn zu werfen, denn er wusste nun, mit wem er es zu tun hatte, und mit wunden Gliedern kam er am anderen Ufer an.

Gleich darauf hörte er in den nahen Gebirgen ein heiseres Lachen, wie wenn jemand sich über ihn lustig machen wollte. Und dann war alles vorbei. Es war das Schmelzmännchen, das unseren Mann so gefoppt hatte. Keine Moral, keine Strafe, keine Erlösung: nur ein Geist, der einen Fährmann zweimal umsonst fahren ließ und ihn dann verprügelte, weil er es ein drittes Mal tat.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes (1883), Nr. 1164, « Das Schmelzmännchen », mitgeteilt von Lehrer H. Georges
Wusstest du? Der Name Schmelz verweist auf eine Schmelzhütte. In den Ardennentälern standen früher Eisenhütten, die das Erz an Ort und Stelle verarbeiteten. Der Geist ist also nicht nach einem Berg oder einem Felsen benannt, sondern nach einem Betrieb.
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