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Luxemburg, Luxemburg

Melusina vom Bockfelsen

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Die Stadt Luxemburg ist auf dem Bockfelsen entstanden, einem Steinsporn über der Alzette. Das ist Geschichte: Graf Siegfried erwarb den Felsen 963 durch Tausch mit der Abtei St. Maximin bei Trier. Warum er diesen Tausch machte, erzählt das Land anders als die Urkunde.

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1 Die Stimme im Tal

Vor vielen hundert Jahren lebte auf dem Schlosse zu Körich ein edler Ritter, Graf Siegfried. Dieser verirrte sich einst auf der Jagd und gelangte gegen Abend in ein tiefes, enges, wildverwachsenes Tal. Es war das Tal der Alzette an der Stelle, wo heute Luxemburgs Vorstädte sich malerisch um den Felsen schmiegen.

Der Graf sah vor sich den Bockfelsen emporragen und oben darauf eine alte verfallene Römerburg. Plötzlich schlugen Töne eines wundervollen Gesanges an sein Ohr. Nachdem er eine Zeitlang gelauscht, eilte er dem Orte zu, woher die Töne erklangen, und bald gewahrte er oben auf den Trümmern eine Jungfrau sitzen, bei deren Schönheit er wie gefesselt stehen blieb. Es war Melusina, die Nixe der Alzette.

Wie die Jungfrau den stattlichen Ritter sah, ließ sie ihren grünen Schleier über das Antlitz fallen und verschwand mit den letzten Strahlen der Abendsonne.

2 Die Bedingung

Von Müdigkeit überwältigt legte sich Siegfried unter einen Baum und schlief ein. Am anderen Morgen weckte ihn der Gesang der Vögel aus einem seligen Traume. Er folgte dem Laufe des Flusses und befand sich bald in der Gegend von Weimerskirch, die ihm bekannt war.

Doch die Erscheinung und ihr Gesang hatten des Grafen Seele mächtig erfasst. Oft zog es ihn nun in dieses Tal. Einst traf er sie dort wirklich, denn sein Besuch war ihr angenehm, und sie hatte den stattlichen Ritter liebgewonnen. Er gestand ihr seine Liebe und bat sie, sein Weib zu werden.

Sie willigte ein unter zwei Bedingungen: dass sie den Felsen nicht verlasse, und dass er sie nie an den Samstagen zu sehen wünsche, an denen sie allein sein wolle. Der Graf gelobte es ihr unter Eidschwur.

3 Die Burg und die Tür

Darauf machte Siegfried mit dem Abte von St. Maximin bei Trier einen Tausch: er trat seine schöne Herrschaft Feulen bei Ettelbrück gegen den kahlen Bockfelsen und die umliegenden Waldungen ab. Doch jahrelang gebrach es ihm an Geldmitteln, um darauf ein Schloss zu erbauen. Da nahm er Satans Hilfe an, der sich erbot, ihm die Burg zu bauen und ihn mit Reichtum zu überhäufen, wenn er nach dreißig Jahren ihm zu eigen sein wolle. Da prangte über Nacht auf dem Scheitel des Felsens eine herrliche Burg.

Siegfried vermählte sich mit Melusina und verlebte fröhliche Tage. Sie schenkte ihm sieben Kinder. Aber stets an den Samstagen hielt sich die Nixe den Augen aller verborgen, zog sich in ihre Kammer zurück und schloss sich ein. Lange Jahre verlangte es ihren Gemahl nicht zu erfahren, was sie an jenem Tage treibe. Bis seine Freunde davon Kunde erhielten und Misstrauen in ihm weckten.

Am nächsten Samstag eilte er heimlich zu ihrer Kammer. Ein auffallendes Rauschen und Plätschern tönte ihm aus dem Innern entgegen. Was er durch die Tür sah, machte allem ein Ende, was er bekommen hatte. So endet die Sage, wie alle ihre europäischen Schwestern enden: nicht durch einen Fluch von außen, sondern weil ein Mann sein Wort brach, um etwas zu erfahren, was er nicht wissen musste.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes (1883), Nr. 1, « Die Sage von der schönen Melusina, der Ahnfrau der luxemburger Grafen »
Wusstest du? Melusina ist keine luxemburgische Erfindung. Dieselbe Gestalt ist die Stammmutter des Hauses Lusignan im Poitou, und ihre Geschichte wurde im vierzehnten Jahrhundert von Jean d’Arras aufgeschrieben. Luxemburg hat sie an seinen eigenen Felsen gebunden.
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