Die Trauerweide und die Bedingung
Diese Geschichte ist auffallend jung. Sie spielt in den zwanziger oder dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, bei einem Wirt und Fuhrunternehmer in der Stadt Luxemburg, und der Erzähler kommt aus Esch an der Alzette. Es ist keine mittelalterliche Sage, sondern eine Nachbarschaftsgeschichte, und sie endet mit einer Bedingung, deren Erfüllung die Stadt nachprüfen konnte.
1 Das Haus, in dem es nicht stimmte
In den zwanziger oder dreißiger Jahren lebte zu Luxemburg ein Wirt und Fuhrunternehmer, der eigentümliche Erlebnisse mitzumachen hatte. Es ging in seinem Hause nicht mit rechten Dingen zu; man erzählt sich noch heute allerhand abenteuerliche Geschichten, die sich daselbst sollen zugetragen haben.
So kam es zum Beispiel zu wiederholten Malen vor, daß in der Stube das Kind plötzlich unbemerkt aus der Wiege verschwand, und daß man nach langem, vergeblichem Suchen dasselbe endlich in der Dachrinne wiederfand.
Als die älteste Tochter des Wirtes gestorben war und auf der Bahre lag, fingen die Wachskerzen auf einmal zu flimmern und zu flackern an. Die Leute, die sich zur Totenwacht in dem Zimmer befanden, sahen über der Leiche die Gestalt eines großen Vogels, der einem Adler glich; derselbe flatterte mit ausgebreiteten Flügeln über dem Haupte der Toten; allen Anwesenden war diese Gestalt deutlich sichtbar, bis auf einmal durch den starken Flügelschlag alle Kerzen erloschen.
2 Der Knecht und der Pater
Das Gesinde hatte gleichfalls viel auszustehen. Der Knecht, der in einem neben der Stallung befindlichen Zimmer schlief, wurde regelmäßig des Nachts von einem kleinen, bärtigen, koboldartigen Kerl aus dem Bette gehoben und fand sich des Morgens abgemattet neben dem Bettgestelle auf dem Strohsack liegen.
Da bei diesem unheimlichen Treiben der ganze Hausstaat verkümmerte, so wandte sich der Wirt an einen frommen und gottesfürchtigen Ordensmann, namens Pater Gabriel, und bat diesen um Rat und Abhilfe.
Der Pater verlangte, die folgende Nacht im Bette des Knechtes schlafen zu dürfen, was ihm auch gestattet wurde.
Als er am anderen Morgen aufstand und in die Familienstube trat, sahen alle mit Entsetzen, daß seine schwarzen Haare über Nacht schneeweiß geworden waren.
3 Die Bedingung
Auf die Frage, wie es ihm ergangen sei, gab er zur Antwort, jetzt wäre alles wieder gut; man solle im Hofe die Trauerweide umhauen, denn unter derselben sei ein Schatz vergraben.
Jedoch sollte man nicht vergessen, die Handwerksleute jedes Jahr etwas verdienen zu lassen.
Ob man wirklich an der bezeichneten Stelle einen Schatz gefunden habe, wurde nicht bekannt. Jedoch will man wissen, daß der Wirt alljährlich viel Geld unter die Handwerksleute kommen ließ, indem er die mannigfaltigsten Reparaturen an seinen Gebäulichkeiten vornahm.
Ja, man erzählt gar, daß er, wenn keinerlei Reparatur zu machen war, zum Beispiel die Gartenmauer niederreißen und wieder neu aufbauen ließ, um ja nur die Bedingung zu erfüllen.
Vie FelineKattengedrag en vachtverzorging
Heimweer.be — Europees Erfgoed Bewaard


