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Luxemburg, Luxemburg

Drei Jungfrauen auf einem Esel

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Diese Legende beginnt nicht mit einer Geschichte, sondern mit einem Gegenstand. An der alten Straße vor der Stadt steht eine Kapelle mit einem steinernen Kreuz von 1738, und an der linken Wand eine hölzerne Gruppe von einem halben Meter Höhe: drei Jungfrauen auf einem Esel, alle drei im Damensitz, die Gesichter in dieselbe Richtung wie der Eselskopf. Die mittlere hat eine weiße Binde über den Augen. Gredt nahm mündlich auf, was der Ort davon wußte.

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1 Was an der Wand hängt

Vor dem ehemaligen Diedenhofenerthor zu Luxemburg, rechts an der alten, Berlinerweg genannten Landstraße, befindet sich eine Kapelle, welche ein steinernes Kreuz einschließt.

Auf dem oberen Balken desselben ist der Heiland am Kreuz nebst zwei Knechten, von denen der eine einen Spieß, der andere den Schwamm gegen den Heiland richtet, roh ausgehauen. Im Hauptbalken ist St. Wendelin vorgestellt mit Hut, Tasche und Hirtenstab in der Linken und Rosenkranz in der Rechten, darunter der Name. Unter dieser Figur steht eine Inschrift von 1738.

An der linken Seitenwand der Kapelle ist eine ungefähr fünfzig Zentimeter hohe, in Holz gearbeitete Gruppe angebracht, welche drei auf einem Esel sitzende Jungfrauen vorstellt. Sie sitzen alle drei nach Art der Frauen auf, die Gesichter nach der rechten Seite gewendet, wie des Esels Kopf. Die mittlere hat die Augen mit einer weißen Stirnbinde verbunden und zeichnet sich durch besonders langes Haupthaar aus. Alle drei halten die linke Hand auf die Brust und die rechte graziös erhoben.

Fünfzig Schritte thaleinwärts befinden sich die St. Quirinusgrotte und der Quirinusbrunnen.

2 Was der Ort davon wußte

Die jetzige St. Quirinuskapelle war ohne alle Widerrede ursprünglich eine Räuberhöhle.

Einst hauste dort eine Alte mit ihren drei Söhnen, welche das veruchte Räuberhandwerk trieben.

Drei Jungfrauen, welche einst des Weges kamen, wurden von ihnen angefallen, geplündert und gemartert. Sie entkamen aber auf ihrem Esel und ließen die Kapelle an der Straße mit der beschriebenen Gruppe als ex voto errichten.

Die Stirnbinde der mittleren Jungfrau bedeutet, daß sie an der Stirne verwundet war.

3 Der Herr und der Diener

Ein andermal kam auch ein Herr mit seinem Diener dahergeritten. Da sie müde waren, kehrten sie in die Räuberhöhle ein. Die Alte war allein, denn ihre Söhne waren auf Raub aus.

Die beiden Gäste begehrten ein Nachtmahl von der Alten, und während diese damit beschäftigt war, hörten der Herr und sein Diener, wie das Pferd des Herrn mit dem Fuße scharrte. Hierdurch argwöhnisch gemacht, untersuchten sie die Stelle, wo das Pferd stand, und sieh, es lagen eine Menge Leichname dort unter der Erde vergraben.

Sie wußten nun, wo sie waren, bereiteten sich zur Gegenwehr, und als die Räuber zurückkamen, schossen sie zwei davon tot.

Hier bricht der aufgezeichnete Text ab. Was mit dem dritten Sohn und der Alten geschah, hat der Erzähler nicht mehr gesagt, oder Gredt hat es nicht mehr niedergeschrieben.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes (1883), Nr. 871, « St. Quirin und die drei Jungfrauen », nach der Ortstradition, mündlich aufgenommen
Wusstest du? Die Inschrift, die Gredt in der Kapelle las, unter der Figur des heiligen Wendelin, lautet: Tröst dich hieby mein frommer Christ, wann dir auf Erde übel ist, mit der Jahreszahl 1738. Fünfzig Schritte thaleinwärts liegen die Quirinusgrotte und der Quirinusbrunnen. Die zweite Episode, von dem Herrn und seinem Diener in der Räuberhöhle, bricht in Gredts Text in dem Augenblick ab, in dem die Räuber zurückkommen. Wir ergänzen das nicht; es blieb unfertig, wie es aufgezeichnet wurde.
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