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Rosport, Echternach

Das Wäschfrächen von der Olker Bach

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Eine halbe Stunde unterhalb des Dorfes Ralingen, das früher zum herrschaftlichen Bering von Rosport gehörte, liegt hart an der Sauer die Talschlucht Olkerbach. Mitten darin steht die Scheeß, ein etwa dreißig Fuß hoher Felsen, von dem der Olker Bach in einen Tümpel herunterfällt. Dort erschien in gewissen Nächten eine Gestalt.

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1 An der Scheeß

Die Gestalt war eine große, hehre Jungfrau in blendend weißen Gewändern. Das Volk nannte sie das Wäschfrächen von der Olker Bach. Bald wusch sie schneeweißes Linnen im Scheeßentümpel, bald ging sie unterhalb der Scheeß am Rande des Baches oder in den früher sehr dicht stehenden Haselgebüschen auf und ab spazieren.

Wer die Stelle kennt, begreift, warum gerade dort. Eine Schlucht mit einem Wasserfall macht Geräusche, die alles sein können, das Wasser bewegt sich weiß im Dunkeln, und die Büsche stehen dicht genug, um jemanden zu verbergen, der nicht da ist.

2 Die Frau aus Olk

Eine Frau aus Olk hatte sich einst am Feste Mariä Himmelfahrt während der Vesperzeit in die Olkerbach begeben, um Haselnüsse zu pflücken. Als sie an den Scheeßentümpel kam, erschien ihr plötzlich am rechten Rand des Baches eine schneeweiß gekleidete Jungfrau, die eine Kette von goldenen und silbernen Korallen um den Hals trug.

Sie machte ihr wegen der Entheiligung des hohen Festes ernste und bittere Vorwürfe. Von Angst und Reue ergriffen, lief die Frau auf der Stelle heim in die Vesper.

3 Der Schneider aus Kordel

Noch schlimmer erging es an dieser Stelle einem Jüngling aus Kordel, der sich zu Rosport als Schneidermeister niedergelassen hatte. Er war an Mariä Geburt mit einigen Freunden und Bekannten in den Rechenberger Wald gegangen, um Haselnüsse zu pflücken. Über dem Pflücken trennte er sich von seinen Gefährten und geriet in die Haselgesträuche an den Berggehängen der Olkerbach.

Da sah er plötzlich eine große, schneeweiß gekleidete Jungfrau von wunderbarer Schönheit auf einem Anger unterhalb des Tümpels, am rechten Ufer, auf und ab wandeln. Sie trug eine goldene Krone auf dem Haupte. Ihre Gewänder glitzerten vom Schmucke des Goldes und des Silbers, und ein wunderbarer, unbeschreiblicher Glanz strahlte von ihr aus. Der Jüngling fragte sie, ob sie sich vielleicht verirrt habe.

Beide Begegnungen fallen auf ein Marienfest, und beide handeln von Menschen, die an einem solchen Tag Nüsse pflückten, statt in der Kirche zu sitzen. Das ist kein Zufall. Die Jungfrau am Wasserfall bewacht nicht das Wasser, sondern den Kalender.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes (1883), Nr. 990, « Das Wäschfrächen von der Olker Bâch »
Wusstest du? Waschfrauen am Wasser kommen in ganz Nordwesteuropa vor, von den bretonischen lavandières de la nuit bis zur irischen bean nighe. In den meisten Fassungen sind sie Todesboten. Das Wäschfrächen von der Olker Bach ist das nicht: es tadelt, aber es kündigt nichts an.
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