Die Schwarze Madonna von Jasna Góra
Auf dem Hügel Jasna Góra über Częstochowa hängt das berühmteste Marienbild Polens: die Schwarze Madonna. Über ihr dunkles Antlitz laufen zwei Schnitte auf der rechten Wange, und von diesen Narben erzählt man seit Jahrhunderten eine Geschichte.
1 Das Bild auf dem Hügel
Der Überlieferung nach ist die Ikone auf eine Tischplatte aus dem Haus der Heiligen Familie gemalt und auf vielen Umwegen nach Polen gelangt. Als sie auf Jasna Góra aufgestellt wurde, strömten die Pilger herbei, und das Kloster wurde reich an Gaben aus Gold und Edelsteinen.
Dieser Reichtum blieb nicht unbemerkt. Eine Räuberbande, manche sagen ketzerische Krieger, zog zum Hügel, entschlossen, die Kostbarkeiten und die berühmte Ikone zu rauben.
2 Der Karren, der nicht fahren wollte
Die Räuber plünderten die Schatzkammer und luden auch die Ikone auf einen Karren. Doch als die Pferde losziehen sollten, bewegte sich der Karren nicht. Wie man auch peitschte und zog, die Räder blieben stehen, als hielte die Erde das Bild fest.
Wütend und abergläubisch griff einer der Männer zum Säbel und schlug nach dem Antlitz der Madonna. Zwei Schnitte zog er über die Wange. Als er zum dritten Mal schlagen wollte, brach er zusammen, und der Schrecken jagte die ganze Bande in die Flucht.
3 Die Narben, die nicht heilen
Die Mönche fanden die Ikone am Boden zurückgelassen, mit den zwei Schnitten auf der Wange. Man versuchte, sie zu übermalen, doch immer wieder traten die Narben hervor, als wollte das Bild sie selbst behalten.
Seither trägt die Schwarze Madonna ihre Schnitte als ein Zeichen. Für die Pilger, die jedes Jahr nach Jasna Góra kommen, ist es kein Schaden, sondern ein Beweis: dass sich das Bild nicht forttragen ließ und bei Częstochowa bleiben wollte.
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