Der schwarze Hahn von Kazimierz Dolny
Über dem Städtchen Kazimierz Dolny an der Weichsel stehen die Ruinen einer alten Burg und eines runden Wachturms. Unter jenen Steinen soll ein Schatz verborgen liegen, und wer ihn bewacht, erzählt man in der Getreidestadt eine alte Geschichte.
1 Der Schatz unter dem Turm
Zu der Zeit, als die Getreideschiffer Kazimierz Dolny reich machten, ging das Gerücht, unter der Burgruine liege eine Truhe voll Gold, zurückgelassen von einem alten Herrn, der ohne Erben gestorben war. Viele träumten davon, sie zu finden.
Doch der Schatz war nicht unbewacht. Wer nachts zwischen den Mauern zu graben wagte, hörte plötzlich einen Hahn krähen, schwarz wie Ruß, mit Augen, die wie Kohlen glühten. Das Tier erschien aus dem Nichts und verschwand wieder, und jedes Mal stürzten die Gruben ein.
2 Der habgierige Gräber
Ein Mann aus der Stadt, der mehr wollte, als er brauchte, beschloss, es dennoch zu wagen. Bei Neumond stieg er mit Spaten und Laterne zum Turm hinauf und grub, bis er auf etwas Hartes stieß, einen Deckel aus Holz. Sein Herz pochte: die Truhe.
In diesem Augenblick krähte der schwarze Hahn dicht hinter ihm. Der Boden ächzte, die Wände der Grube schoben sich zu, und der Mann konnte sich mit knapper Not nach oben arbeiten. Als er zu sich kam, war die Grube verschwunden, als hätte nie jemand gegraben, und von der Truhe keine Spur.
3 Die Lehre der Getreidestadt
Der Mann kehrte mit leeren Händen und großem Schrecken zurück. Seither wagte niemand mehr, aus Habgier in der Ruine zu graben. Der schwarze Hahn, sagen die Alten, gibt den Schatz nur dem frei, der ihn nicht für sich begehrt, und solche Menschen suchen nicht.
Der wahre Reichtum von Kazimierz Dolny lag ohnehin nicht unter dem Turm, sondern in den Speichern am Fluss: das Getreide, ehrlich verdient und über die Weichsel gehandelt. Jenes Gold ließ sich wohl forttragen, und es bewachte kein Hahn.
Vie FelineKattengedrag en vachtverzorging
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