Die Meerjungfrau von Warschau
Die Meerjungfrau, die Syrenka, steht mit erhobenem Schwert und Schild im Herzen Warschaus. Sie ist das Wappen der Stadt, und wie sie dorthin kam, erzählt eine alte Geschichte von den Ufern der Weichsel.
1 Die Nixe im Fluss
Vor langer Zeit schwamm eine Meerjungfrau die Weichsel hinauf, bis sie zu einer kleinen Fischersiedlung kam, wo später Warschau entstehen sollte. Der Ort gefiel ihr. Sie blieb, verborgen zwischen Schilf und Sandbänken.
Abends sang sie Lieder, so schön, dass die Fischer innehielten, um zu lauschen. Manchmal nahm sie heimlich den Fisch aus ihren Netzen, doch niemand nahm es ihr wirklich übel, so betörend war ihre Stimme.
2 Gefangen und befreit
Ein reicher Kaufmann hörte von dem wundersamen Wesen und witterte ein Geschäft. Er heuerte Männer an, sie zu fangen und einzusperren, um sie später gegen Geld vorzuführen. In einer Nacht überfielen sie die Nixe und sperrten sie in eine Scheune.
Ihr klagender Gesang drang zu einem jungen Fischer. Er schlich heran, öffnete die Tür und ließ sie frei. Dankbar kehrte die Meerjungfrau in den Fluss zurück, doch die Güte der armen Fischer vergaß sie nicht.
3 Die ewige Wache
Aus Dankbarkeit schwor die Syrenka, die Menschen dieses Ortes für immer zu schützen. Darum trägt sie Schwert und Schild, bereit, die Stadt gegen jede Gefahr zu verteidigen.
Als die Fischersiedlung zu Warschau heranwuchs, nahmen die Bürger die bewaffnete Meerjungfrau in ihr Wappen auf. Noch heute wacht sie, in Bronze gegossen, über den Platz und über den Fluss, der sie einst hierher brachte.
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