Karl V. und die drei Auvergnaten
Im sechzehnten Jahrhundert zogen die Heereszüge des Kaisers Karl V. durch ganz Europa, von Spanien bis zu den Niederlanden. Er war überall — in Kriegen, in Verhandlungen, bei der Inspektion seiner weitläufigen Reiche. Bei einer Rundreise durch die Grafschaft Hennegau kam er durch die Festung Beaumont, und dort traf er drei Männer aus der Auvergne, die seine Autorität auf die Probe stellen würden.
1 Die Ankunft des Kaisers
Kaiser Karl V. reiste durch die Grafschaft Hennegau, wo er seine Macht dadurch demonstrierte, dass er persönlich seine Festungswerke inspizierte. Beaumont, eine starke Festung auf einem Hügel, war eines der wichtigsten Befestigungen seines Territoriums. Als er die Stadt betrat, versammelten sich die Bürger, um die mächtige Herrschaft zu ehren.
Aber in jenen Tagen, erzählten die Volkssagen, gab es drei Männer aus der Auvergne — ein Dorf nicht weit von der Grenze von Karls Reich — die als Händler und Wanderer durch die Gegend reisten. Diese drei waren nicht einfach irgendwelche Männer: Sie waren berühmt für ihre List, ihren Scharfsinn und ihre Fähigkeit, sich aus jeder schwierigen Situation durch ihren Verstand zu befreien. Die Geschichte sagt, dass sie hörten, der Kaiser würde in Beaumont verweilen, und sie beschlossen, ihn aufzusuchen.
2 Die Begegnung
Als die drei Auvergnaten Kaiser Karl V. im Palast von Beaumont trafen, hatten sie keine Angst — sie waren sogar selbstbewusst. Der Kaiser, gewöhnt an Verbeugungen und Heuchelei, war überrascht von ihrer Unerschrockenheit. Einige Hausherren schmeichelten ihm, aber diese drei Männer sprachen zu ihm mit Gleichberechtigung, respektvoll aber nicht unterwürfig.
Karls Reich war berühmt für seine Intelligenz. Er liebte Rätsel und Philosophie, Wortspiele und Scharfsinn. Deshalb lud er die drei Auvergnaten ein, ihn zu unterhalten — nicht weil er ihre Gegenwart angenehm fand, sondern weil er ihren Verstand testen wollte. "Wer von euch," sagte der Kaiser mit einem Lächeln, "kann mir sagen, was das Klügste, das Schnellste und das Ergreifendste auf dieser Welt ist?"
3 Die Prüfung des Verstandes
Der erste Auvergnate trat vor. "Sire," sprach er mit ruhiger Stimme, "das Klügste auf dieser Welt ist die Frau. Sie kann einen Mann ohne Worte täuschen, ein Vermögen mit einem Lächeln verschwenden und den stolzesten König der Erde mit nur einem Blick zu Fall bringen." Der Kaiser nickte — das war eine Weisheit, die er erkennen konnte.
Der zweite Auvergnate folgte. "Sire, das Schnellste auf dieser Welt ist der Gedanke. Ihr könntet ein Heer von tausend Mann anführen, und doch würde ein Gedanke die Welt schneller erreichen als euer schnellster Bote." Karl V. lächelte — das war wahr.
Der dritte Mann trat vor, und nun wurde es still in der Halle. "Sire," sprach er langsam und ernst, "das Ergreifendste auf dieser Welt ist der Tod. Denn Ihr, wie groß auch Eure Macht und wie weitläufig auch Eure Reiche sein mögen — Ihr werdet sterben, wie wir alle. Selbst ein Kaiser kann nicht gegen den Tod gewinnen." Eine eiskalte Stille fiel über den Hof.
4 Die Gnade des Mächtigen
Viele Herrscher hätten den dritten Auvergnaten für solch kühne Worte auf den Richtblock gebracht. Aber Karl V. war kein gewöhnlicher Fürst. Er starrte lange Zeit auf den Mann, und dann — langsam — brach ein Lächeln über sein runzliges Gesicht.
"Ihr habt recht," sagte der Kaiser. "Ihr alle habt recht. Und deshalb werde ich euch belohnen, anstatt euch zu bestrafen. Denn selten sind die Männer, die es wagen, zu mir mit Wahrheit zu sprechen, anstatt mit Gold." Er befahl, seine Schatzkammer zu öffnen und gab den drei Männern aus der Auvergne reiche Geschenke — genug, um den Rest ihres Lebens komfortabel zu leben.
Als sie Beaumont verließen, sagten die Menschen, dass sie Karl V. in seinem Herzen berührt hatten. Der Kaiser sprach später oft über diese drei Männer, und seine Hofleute lernten, dass Wahrheit manchmal mehr wert war als Schmeichelei. Die Geschichte verbreitete sich durch ganz Hennegau und darüber hinaus, und noch heute erzählen die Eltern von Beaumont ihren Kindern: "Seht, wie drei einfache Männer einem Kaiser zeigten, dass nur Wahrheit — gepaart mit Verstand — wirklich befreiend ist."
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