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Waldbillig, Echternach

Die verwünschte Prinzessin im Müllerthal

Tier 0+ - Publiek 2 min Märchen
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Das Müllerthal ist eine Landschaft aus Sandstein. Felsen stehen dort wie Mauern und Türme zwischen den Bäumen, mit Spalten so schmal, dass ein Mensch hindurchpasst und nicht viel mehr. In einem dieser Felsen saß der Überlieferung nach eine Frau eingeschlossen.

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1 Der Felsen

Einst war eine wunderschöne, reiche Fürstentochter in einen großen Felsen des Müllerthales verwünscht worden. Sie musste ganz abgeschlossen und einsam darin wohnen. Sie konnte niemand sehen, noch von irgend jemand gesehen werden.

An einem Tag im Jahr war das anders. Dann erschien sie in weißem Gewande. Sie hatte eine Schlange im Munde, und die Schlange trug im Maule einen goldenen Ring.

2 Die Bedingung

Die Bedingung der Erlösung war so einfach wie abschreckend. Wer sie befreien wollte, musste den Ring mit dem eigenen Munde aus dem Maul der Schlange nehmen. Nicht mit der Hand, nicht mit einem Tuch, nicht mit einer Zange. Mit dem Munde.

Ein Ritter hörte davon und hätte gar gern die Jungfrau erlöst. Er kam, er sah sie stehen, er beugte sich zur Schlange.

3 Siebenmal schlimmer

Und eben als er den Ring mit seinem Munde herausziehen sollte, schauderte ihm vor der Schlange. Der Mut entsank ihm und er konnte sein Vorhaben nicht ausführen.

Damit war es nicht geblieben, wie es war. Es wurde schlimmer. Nun erschien die Jungfrau nur noch alle sieben Jahre einmal, und sie war siebenmal mehr verwünscht als zuvor.

Das ist der harte Kern dieser Sage, und darin unterscheidet sie sich vom Märchen. Im Märchen bekommt der Held eine zweite Gelegenheit. Hier macht das Zurückschrecken die Sache nur aussichtsloser, und es ist die Frau im Felsen, die dafür zahlt, nicht der Ritter, der versagte.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes (1883), Nr. 411, « Die verwünschte Prinzessin im Müllerthal », mitgeteilt von Lehrer Rollmann
Wusstest du? Lehrer Rollmann aus Reisdorf ist einer von Gredts ständigen Gewährsleuten für diese Gegend. Von ihm stammt auch der gespenstische Geiger bei der Beforter Heide. Dorfschullehrer waren im neunzehnten Jahrhundert die wichtigsten Sammler von Volkssagen: sie konnten schreiben und sie kannten jeden.
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