Der Werwolf von Vianden
Es gibt Werwolfgeschichten mit Mondlicht, Flüchen und Jägern. Dies ist keine davon. Dies ist die Geschichte zweier Männer, die zusammen unterwegs waren, wobei der eine erfuhr, was der andere war, und darüber den restlichen Weg den Mund hielt.
1 Die Rast im Gras
Ein Mann aus der Kerzenbach, in der Aufzeichnung nur Schr. genannt, war im Sommer mit einem Nachbarn von Vianden nach Luxemburg gereist und wieder zurück. Auf der Rückreise, bei Lintgen im Königsbrill, sagte Schr., er möchte gerne ausruhen. Sein Kamerad war es zufrieden.
Schr. streckte sich hin und schlummerte ein. Was ihn weckte, war kein Geräusch von der Straße, sondern ein heftiger Schrei. Sein Kamerad war fort. In der Wiese stand ein Wolf, der ein junges Pferd totgebissen hatte und es auffraß.
2 Der Gürtel
Der Schrecken lähmte ihm alle Glieder. Er blieb liegen und sah zu. Bald darauf schüttelte sich der Wolf, löste einen Gürtel vom Leibe und ward wieder Mensch. Es war sein Kamerad.
Schr. blieb ruhig liegen und tat, als schlafe er. Der andere kam zurück, machte, als erwache er, schüttelte ihn und sagte, sie hätten schon lange genug gelegen. Schr. stand auf und ließ nichts merken. So gingen sie zusammen weiter.
3 Zwei Sätze zu viel
In Colmar-Berg sagte Schr., er wolle etwas essen. Der andere sprach: o was, wir sind so nahe bei Diekirch, lass uns bis dahin gehen. Da antwortete Schr.: ja, wenn ich ein Füllen im Leibe hätte wie du, dann wollte ich auch noch warten.
Der andere sagte nur: das hättest du mir eher sagen sollen. Er entfernte sich schnell und ward von Stund an nicht mehr gesehen.
Darin liegt die ganze Kraft der Geschichte. Es gibt keine Verfolgung, keine Silberkugel und keine Entlarvung vor einer Menge. Es gibt einen Mann, der weiß, was er gesehen hat, der es einen halben Tag für sich behält und es dann doch herauslässt. Und einen Nachbarn, der begreift, dass er nicht mehr zurückkommen kann.
Vie FelineKattengedrag en vachtverzorging
Heimweer.be — Europees Erfgoed Bewaard


